Auf die Frage, was man mal werden will, wenn man groß ist, kann man viele Antworten geben: Tierärztin, Polizist, Frisör. Doch nur wenige Kinder nennen Lkw-Fahrer, im Ausbildungsjargon auch Berufskraftfahrer, als Traumjob. Und erst recht bei den Ausbildungssuchenden landet der Beruf auf einer der letzten Stellen auf der Wunschliste. Aber woran liegt das?


Behinderung im Verkehr?

"Der Job ist schon lange nicht mehr so attraktiv, wie er einmal war", gibt auch Otto Hörnlein von der Spedition Otto Hörnlein Coburg zu. Die Ausbildung sei in den letzten Jahren immer umfangreicher geworden, dadurch wurde mehr Verantwortung und Arbeit, die vorher Kollegen übernommen haben, auf die Fahrer abgewälzt.
"Es gibt schon einige, die Fernfahrer lernen wollen, aber die wollen am liebsten auch jeden Abend wieder zu Hause sein", kritisiert er außerdem. Länger unterwegs zu sein, das sehen viele Interessenten dann nicht ein. Das soziale Leben müsste komplett umstrukturiert werden auf Grund der unflexiblen und zeitintensiven Arbeitsschichten. Dieser Spagat zwischen Familie und Beruf ist für viele nicht machbar.
Die Nachfrage fehlt auch auf Grund des geringen Verdienstes, der im Wettbewerb mit den osteuropäischen Konkurrenten aus Polen und der Tschechischen Republik gesunken ist. Ein anderes "grundsätzliches Problem", laut Otto Hörnlein, ist der schlechte Ruf der Berufskraftfahrer auf der Autobahn. "Jeder Autofahrer schimpft über die ,Verkehrsbehinderung‘, das Ansehen ist massiv gesunken. Aber dass ohne unsere Fernfahrer überall Waren fehlen würden, darüber denkt keiner nach."
Einstecken müssen aber nicht nur die wenigen Azubis, auch für die ausbildenden Speditionen gibt es Probleme. "Ich suche schon vernünftige Leute, aber auszubilden, das lohnt sich für mich nicht", überlegt Otto Hörnlein. Die Lehre zum Berufskraftfahrer kann man eigentlich direkt nach der Schule beginnen. So kommen viele Auszubildenden mit Haupt- oder Realschulabschluss zum Lehrbetrieb, aber können und dürfen noch nicht einmal Auto, geschweige denn Lastkraftwagen fahren.


Auszubildende sind zu jung

Zwei oder drei ganze Jahre müsste man also in anderen Bereichen der Firma "absitzen", bevor man in den eigentlich gewünschten Beruf einsteigen kann. Daraus entsteht für die meisten Firmen ein "Minusgeschäft". Dies bestätigt auch Martin Eller von D+S Logistik in Rödental, wo bis vor zwei Jahren noch Berufskraftfahrer ausgebildet wurden. "Wenn überhaupt, kommen Interessenten in Frage, die ihre Lehre abgebrochen haben und deshalb schon älter sind. Aber so eine Umschulung ist eher die Ausnahme."
Einen letzten Grund führt Matthias Klar, Pressesprecher der Agentur für Arbeit, an: "In solchen Berufen gibt es oftmals, wie auch bei der Ausbildung zum Hotelfachmann, Probleme mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Abends oder nachts arbeiten ist ein Problem." Daher sei es am einfachsten für Azubis und Betriebe, wenn ein Mindestalter von 20 Jahren schon erreicht ist. Matthias Klar betont daher auch die Einstiegsmöglichkeit für Spätstarter, die Lkw-Luft schnuppern wollen. "Wenn man in diesem Bereich Fuß fasst, ist eine dauerhafte Beschäftigung so gut wie sicher", informiert er. In den kommenden Jahren werden viele Berufskraftfahrer aus Altersgründen den Beruf aufgeben, denn jeder vierte Berufskraftfahrer ist 55 Jahre und älter. Dieser Generationenwechsel kann für Auszubildende, aber auch ältere Neueinsteiger eine große Chance sein.


Infos rund um den Lehrberuf

Aktuell sind im Agenturbezirk Bamberg-Coburg noch 121 gemeldete Lehrstellen aus dem Berufsbereich Verkehr und Logistik unbesetzt. Davon sind noch 33 Lehrstellen zum Berufskraftfahrer frei. Damit liegt die Ausbildung auf der Liste der unbesetzten Lehrstellen auf Platz Sieben. Die vorigen Plätze belegen beispielsweise der Beruf des Einzelhandelskaufmanns (83 unbesetzte Lehrstellen), des Kochs (47 unbesetzte Lehrstellen) oder des Hotelfachmanns (39 unbesetzte Lehrstellen).
Die Agentur für Arbeit wirbt dennoch momentan mit einer Ausstellung unter dem Motto "Berufe aus Transport und Logistik bringen weiter" für mehr Einsteiger, unter anderem im Feld des Berufskraftfahrers. Noch bis 16. September können Interessenten im Kanonenweg in Coburg sich zum Beispiel mit Hilfe eines Tagebuchs eines Berufskraftfahrers und detaillierten Informationen zu einzelnen Berufsbildern aus dem Bereich Transport und Logistik informieren. Auch verschiedenste Filmbeiträge zu den Lehrgängen tragen zur anschaulichen Darstellung bei. Geplant wird momentan außerdem ein großer Infotag in Zusammenarbeit mit der Firma Babucke in Meeder.