Elmar Degenhart gilt als ruhiger, besonnen auftretender Manager. Mit der plötzlichen Nachricht, die Führung von Continental Ende November frühzeitig abzugeben, dürfte der langjährige Chef des Dax-Konzerns so manchen Kritiker auf dem falschen Fuß erwischt haben.

Die Lage war seit Monaten denkbar kompliziert: Während Betriebsräte, Gewerkschafter und Politiker den Conti-Vorstand wegen des Ausmaßes der Stellenstreichungen und Werksschließungen hart angingen, wollten die Eigentümer angeblich einen noch zügigeren Umbruch in Richtung Software und E-Mobilität. Dabei hatte der Aufsichtsrat die jüngsten Kürzungen gerade mehrheitlich durchgewunken. Auch Degenharts Nachfolgerin oder Nachfolger muss die verhärteten Fronten möglichst rasch befrieden. Soll dies gelingen, dürfte neben der schwierigen Gemengelage in Hannover jedoch auch die Rolle der Großaktionärs-Familie Schaeffler entscheidend sein. Der 61-Jährige gab gesundheitliche Gründe an, denen er "unverzüglich" Priorität geben müsse. Ein möglicher Favorit für die Nachfolge ist der Chef der Autozuliefer-Sparte, Nikolai Setzer. Der 49-Jährige hat als Eigengewächs viel Erfahrung im Konzern, führte lange Bereiche des Reifengeschäfts. Haupteigner des Conti-Konzerns ist die Schaeffler-Familie, die auch den gleichnamigen fränkischen Industrie- und Autozulieferer kontrolliert. Den Familienmitgliedern wird mitunter eine gewisse Zaghaftigkeit bei Investitionen in Zukunftsfelder nachgesagt. dpa