Das Herzogenauracher Rathaus ist ausgeräumt und wird vor dem Abriss entkernt. Erst dadurch erhält man einen unverstellten Blick auf kleine Details aus der Bauzeit.

Als das Gebäude im Jahr 1967 eingeweiht wurde, da war es vor allem ein funktionaler Verwaltungsbau. Der damalige Bürgermeister Hans Maier war der Überzeugung, dass es auf Jahrzehnte den Anforderungen genügen würde. Trotz der nüchternen Bauausführung hatte das Rathaus auch Platz für Kunst am Bau.

Der Höchstadter Künstler Roland Lindemann (verstorben 2011) hat eine Ansicht von Herzogenaurach in einer kubistischen Formensprache, geometrische Figuren in Grau- und Rottönen, auf eine Wand im Erdgeschoss aufgebracht. In der Mitte ist das Rathaus mit seiner Giebelfassade und dem kleinen Glockentürmchen zu erkennen. Links davon steht der Türmers-turm mit seiner welschen Haube, zwischen beiden das Dach des Schlossgebäudes. In der Mitte der rechten Bildhälfte ist der Vehnturm mit seinem spitzen Turmhelm und den Scharwachtürmchen zu erkennen. Flankiert wird der Turm von der Stadtpfarrkirche St Maria Magdalena und der Marienkapelle.

Auch im Sitzungssaal des Rathauses finden sich Verweise auf die Entstehungszeit des Gebäudes. Die Fenster zeigen mit ihren Wappen die damalige politische Zugehörigkeit von Herzogenaurach. Allerdings sind sie nicht in den heraldischen Farben abgebildet, sie changieren vielmehr in Weiß- und Grautönen. Die folgenden Beschreibungen beziehen sich auf die Originalfarbgebung.

Im einem der seitlichen Fenster erscheint für die Bundesrepublik Deutschland der Deutsche Adler und für das Bundesland Bayern das weiß-blaue Rautenwappen der Grafen von Bogen, das später von den Wittelsbachern übernommen wurde.

Im zweiten der seitlichen Fenster manifestiert sich die Zugehörigkeit zum Regierungsbezirk. Von den zwei Wappen zeigt das linke das Wappen von Oberfranken, zu dem Herzogenaurach damals gehörte. Im Schildfuß prangt der fränkische Rechen, das Wappenfeld darüber ist drei Mal gespalten. Vorne (auf dem Wappen links) in Gold ein mit einer silbernen Schrägleiste überdeckter rotbewehrter, schwarzer Löwe mit ausgeschlagener Zunge für das ehemalige Fürstbistum Bamberg. Die Mitte ist geviert in Silber und Schwarz für die hohenzollerschen Markgrafen von Bayreuth. Das Feld hinten (d. h. rechts) ist fünf Mal geteilt in Gold und Schwarz und mit einem schräg gestellten und geschwungenen grünen Rautenkranz belegt. Dieses Wappenbestandteil steht für das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, denn 1920 kam die ehemalige Residenzstadt Coburg zu Oberfranken.

Fingerzeig nach Mittelfranken

Da Herzogenaurach seit altersher gute wirtschaftliche Beziehungen nach Mittelfranken pflegte, ist auch dieses Wappen zu finden. Das Wappen für Mittelfranken ist gespalten und vorne geteilt. Vorne befindet sich der fränkische Rechen, darüber das gevierte Wappen der Hohenzollerschen Markgrafen von Ansbach in Silber und Schwarz. Hinten erscheint in Gold ein rotbewehrter schwarzer Adler am Spalt für die ehemalige Freie Reichsstadt Nürnberg.

Bei der Einweihung am 7. April 1967 hatte der damalige Regierungspräsident Fritz Strahler noch betont, dass das Vorhandensein dieses Wappens nicht als Hinweis auf eine bevorstehende Grenzänderung zu deuten sei. Tatsächlich war es aber 1972 so weit, mit dem größten Teil des Landkreises Höchstadt wechselte Herzogenaurach nach Mittelfranken.

Im zentralen Fenster an der Stirnseite des Saales ist rechts das Stadtwappen zu sehen, in Gold ein mit einer silbernen Schrägleiste überdeckter, rotbewehrter, schwarzer Löwe mit ausgeschlagener Zunge.

Links befindet sich das Wappen des Landkreises Höchstadt, zu dem Herzogenaurach bis zur Gebietsreform 1972 gehörte. Das Wappen ist gespalten von Gold und Schwarz. Vorne ist in Gold ein mit einer silbernen Schrägleiste überdeckter rotbewehrter, schwarzer Löwe mit ausgeschlagener Zunge zu sehen.

Hinten steht auf silbernem Boden ein goldenes Einhorn, das hinter einem silbernen Nadelbaum hervorspringt. Der Löwe steht für das ehemalige Fürstbistum Bamberg. Das Einhorn und der Nadelbaum symbolisieren den ehemaligen Ritterkanton Steigerwald.