Der aktuelle Flächennutzungsplan der Gemeinde Walsdorf stammt noch aus dem Jahr 1985 und ist sowohl von der Form als auch vom Inhalt in die Jahre gekommen und bedurfte dringend einer Überarbeitung. Ein Flächennutzungsplan soll der Gemeinde wichtige Informationen geben und die Grundlage für eine zeitgemäße Bauleitplanung in der Gemeinde sein, was ein 35 Jahre alter Bebauungsplan nicht mehr leisten kann.

Der Walsdorfer Gemeinderat hatte daher im Juni 2016 die Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes beschlossen und den Auftrag dafür an die Klärle GmbH erteilt. Der Vorentwurf des neuen Flächennutzungsplanes wurde im Mai 2018 dem Gemeinderat vorgestellt und es wurde eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt, in der die betroffenen Behörden, Nachbargemeinden und Träger öffentlicher Belange eine Stellungnahme dazu abgeben konnten. Die eingegangenen Stellungnahmen und Änderungen wurden anschließend in den Flächennutzungsplan eingearbeitet. In der Folge gingen insgesamt 16 Einwände von Behörden und Bürgern zu dem neuen Plan ein, welche nun im Gemeinderat einzeln behandelt und abgewogen wurden.

Die Mehrzahl der Einwände wurde zur Kenntnis genommen und nach einer Abwägung mit Beschlussfassung nicht in den Flächennutzungsplan aufgenommen. So forderte ein Bürger, den neuen Bebauungsplan Erlau-Süd zurückzunehmen, da aktuell in Walsdorf und Erlau noch 68 225 Quadratmeter unbebaute Bauplätze ausgewiesen seien. Nachdem der Flächennutzungsplan kein Baurecht schafft, wurde die Anregung zur Kenntnis genommen. Der Einwand des Landratsamtes Bamberg in Sachen Immissionsschutz zu den unterschiedlichen Bewertungen bei dem Geruchsgutachten der Tierkörperbeseitigungsanlage (TBA) und der Biogasanlage Faatz wurde im Flächennutzungsplan berücksichtigt und eine neue Geruchsemmissionsgrenze für die TBA festgelegt.

Bevölkerungszuwachs

Wie aus der fast 70-seitigen Begründung zum Flächennutzungsplan Walsdorf zu entnehmen ist, wird bis zum Jahr 2030 mit einem weiteren Anstieg der Bevölkerungszahl in der Gemeinde gerechnet. Im Weiteren wird davon ausgegangen, dass die Belegungsdichte bei Wohnraum von aktuell 3,59 Einwohnern/Wohnung bis zum Jahr 2030 auf 2,79 Einwohner/Wohnung abnimmt. Daher wird bis zum Jahr 2030 ein zusätzlicher Wohnbauflächenbedarf von rund 108 Hektar für die Gemeinde Walsdorf prognostiziert. Aus diesem Grund werden im neuen Flächennutzungsplan zwei geplante Wohnbauflächen im Norden von Walsdorf, in der unmittelbaren Umgebung des Seniorenzentrums, und eine weitere Wohnbaufläche in Feigendorf ausgewiesen.

Bei der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Gemeinde ging die Entwicklung in die andere Richtung. Von 380 Beschäftigten im Jahr 2013 ist die Anzahl auf 350 Beschäftigte zurückgegangen. Um zukünftig wieder neue Gewerbetreibende ansiedeln zu können oder den bestehenden Betrieben die Möglichkeit zur Expansion zu eröffnen, sind im Flächennutzungsplan zwei gewerbliche Bauflächen und eine gemischte Baufläche geplant. Der Gemeinderat beschloss am Ende der Abwägung einstimmig den erforderlichen Feststellungsbeschluss für den neuen Flächennutzungsplan, welcher jetzt noch vom Landratsamt Bamberg genehmigt werden muss.

Diskussion um Flachdach

Ein Bauantrag für ein Einfamilienhaus in Erlau sorgte für eine heftige Diskussion unter den Gemeinderäten. Der Antragsteller möchte ein Einfamilienhaus mit Flachdach im Bebauungsplan "Neue Siedlung" in Erlau errichten. Im Bebauungsplan, welcher im April 1978 beschlossen wurde, sind gemäß den Festsetzungen nur Satteldächer bzw. Pultdächer mit einer Dachneigung zwischen 25 und 30 Grad zulässig. Die Verwaltung befürchtet, dass mit einer Befreiung von den Festsetzungen ein Präzedenzfall für das Baugebiet geschaffen wird.

Die Gemeinderäte Christine Wolf und Franz Ecke (beide Freie Liste) widersprachen dem Vorschlag und sprachen sich für eine Genehmigung des Flachdaches aus. Wenn die Gemeinde Walsdorf möchte, dass die bestehenden Baulücken in den Baugebieten geschlossen werden, dann dürfe die Gemeinde aber auch nicht bauwillige Bewerber mit nicht mehr zeitgemäßen Festsetzungen aus veralteten und überarbeitungsreifen Bebauungsplänen vergraulen. Nachdem es im Gebiet des Bebauungsplanes "Neue Siedlung" nur noch sehr wenige unbebaute Bauplätze gibt, wären die Auswirkungen eines Präzedenzfalles bei der Gestaltung der Dachform überschaubar. Der Bauantrag wurde dann mit nur einer Gegenstimme genehmigt.

Am Ende informierte Erster Bürgermeister Mario Wolff (Freie Liste) den Gemeinderat darüber, dass es anstelle der in diesem Jahr ausgefallenen Bürgerversammlung im Januar 2021 einen Jahresbericht der Gemeinde für das Jahr 2020 geben wird, aus dem die Bürger alle wichtigen Informationen über die Aktivitäten in der Gemeinde Walsdorf entnehmen können.