"Ich bin sehr enttäuscht", sagte die Bäuerin Marion Warmuth, die zugleich auch Kreisbäuerin im Landkreis Lichtenfels ist. Denn nur zwei Besucher fanden sich zum gemeinsamen Frühstück und anschließender Hofführung auf dem Bauernhof der Familie Warmuth in Tiefenroth ein. "Hier entsteht Leben, hier werden Lebensmittel produziert und hier ist man eins mit der Natur. Viele Leute haben ein falsches Bild von der Landwirtschaft, das wollten wir heute ändern."

In den Köpfen stand womöglich noch die Erinnerung an das Volksbegehren zur Rettung der Bienen: Viele Leute, die bisher auch wenig Berührungspunkte mit der Landwirtschaft hatten, haben sich plötzlich engagiert - informiert oder uninformiert. Dennoch führte Marion Warmuth ausführlich durch den Vollerwerbsbetrieb mit Milchviehhaltung, den zur Zeit vier Köpfe bewirtschaften.

Kampf gegen Vorurteile

Im Laufstall beispielsweise, den die Familie 1998 umgebaut hat, haben die Kühe viel Platz um sich zu bewegen. Je nach Alter werden die rund 130 Kühe separat untergebracht. "Das ist auch so ein Vorurteil, das viele Menschen haben: Die Tiere leben eng zusammengepfercht. Das ist bei uns nicht so", sagte die Bäuerin. Der Hof von ihrem Mann Hans-Georg und ihr wird bereits in dritter Generation bewirtschaftet. Nachwuchssorgen haben die beiden nicht: Einer ihrer Söhne ist bereits Teilhaber des Betriebes, das habe schon lange festgestanden: "Was man weitergibt, ist generationenübergreifend. Die jungen Nachfolger wissen, was sie daran haben", so die Bäuerin. Es sei eher der Investitionsdruck, der neue Generationen davon abhalte, in diesem Sektor Fuß zu fassen. Entwicklungen und Innovationen habe es auch in der Landwirtschaft immer gegeben, auch der Hof in Tiefenroth musste sich anpassen - etwa mit einer Photovoltaikanlage oder dem Kauf eines neues Melkstandes. Warmuth reflektierte und bewertete viele Änderungen auch positiv: Die Milchhygiene sei dadurch noch besser geworden und befindet sich heute auf einem sehr hohen Niveau.

Aber die Auflagen und Anforderungen der vergangenen Jahre schreiten zu rasant voran. "Man muss heute investieren, aber weiß nicht, was in zwanzig Jahren ist", so Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Lichtenfels. "Andere Verordnungen setzen die Bauern gerade erst um, und schon gibt es Pläne zur nächsten Neuerung. Das frustriert natürlich und dadurch geht die Faszination für die Landwirtschaft verloren." Der Sohn muss bald einen neuen Stall bauen - inbegriffen aller neuester Erkenntnisse zu Statik, Konstruktion und Umweltauflagen beispielsweise. Aber auch kleine Teile der Produktionskette, wie etwa eine Güllegrube, unterliegen heute unzähligen Sicherheitsauflagen. Diese Probleme und die Abhängigkeit von der Natur stellen den Betrieb im Vollerwerb vor Herausforderungen. Das tägliche Füttern, Melken und Saubermachen im Stall ist der Bevölkerung mit Blick auf den Berufsstand bekannt. Dass "der Rest" auf dem Hof der Warmuths aber auch in Eigenregie erfolgen muss, geht unter: Von den Reparaturen der Maschinen bis hin zur Instandsetzung von Gebäudeteilen erledigt die Familie alles selbst. Das Futter-Silieren in der vergangenen Woche habe zum Beispiel sechs Leute erfordert und drei Tage gedauert. Viele Landwirte sind untereinander vernetzt und "teilen" sich beispielsweise auch Maschinen, die man nur wenige Male im Jahr brauche.

Die Region gestalten

"Ich sehe ja schon zu Hause, was da alles zu tun ist oder wie lange es braucht, bis ich meine Fenster geputzt habe. Der Hof hier ist ja viel größer und das Saubermachen muss ja neben dem normalen Geschäft gemacht werden. Das verdient meinen größten Respekt", sagte eine Besucherin aus Lichtenfels. Im Nebenerwerb bietet die Familie noch Unterstellmöglichkeiten für Pferde und hält eigene Hühner.

Zum Frühstück, das im Rahmen des Bayerischen Bauernverbandes am vergangenen Wochenende auf vielen Höfen angeboten wurde, gab es deshalb frische Eier und allerlei Leckereien mit dem Hauptbestandteil Milch: Buttermilchkuchen, Vanillecreme, eingelegten Käse und vieles mehr. "Wir wollten zeigen, wie schmackhaft unsere regionalen Produkte sind und ein realistisches Bild der Landwirtschaft vermitteln. Und eine neue Wertschätzung dafür, wo die Produkte herkommen", sagte die Bäuerin. Sie stellte klar: "Landwirtschaft heißt: Region gestalten." ct