Herzogenaurach — Im Männerforum stand das Thema Mystik auf der Tagesordnung. Referent Helmut Hof erläuterte, dass Mystiker die tiefe Sehnsucht haben, die Gegenwart Gottes zu erfahren. Dabei gehe es immer um das Hier und Jetzt. "Mystiker suchen die Gegenwart Gottes im alltäglichen Leben. Für sie gibt es keine Trennung zwischen Drinnen (Kirche) und Draußen (Alltag)."
Die Mystiker seien sich bewusst, dass jede Rede von Gott, jede Vergegenständlichung, letztlich nicht Gott sei. Als Veranschaulichung zeigte Hof die Zeichnung, auf der sich keine Pfeife, sondern das Bild einer Pfeife befand.


Zur Aktualität der Mystik

Karl Rahner schrieb 1966: "Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat." Diese mystische Erfahrung schilderte Helmut Hof anhand des Berichtes einer Frau über ein Erlebnis in ihrer Kindheit. Dabei handelte es sich nicht um die Vision von Engeln, von höheren Geistwelten. Wirkliche Mystik interessiere sich nicht besonders für solch spektakuläre Phänomene. In der mystischen Erfahrung verschmilze alles zu einer untrennbaren Wirklichkeit. Es gebe keine trennenden Grenzen mehr. Für den Mystiker erhalte die Goldene Regel des Neuen Testaments eine neue Dimension: Aus "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" wird "Liebe den Nächsten, denn er ist du selbst!" In der mystischen Erfahrung sei dies kein moralischer Imperativ, sondern die Wirklichkeit selbst.
Auch die tiefste Erfahrung sei jedoch nur ein Durchgangsstadium, kein Endziel oder Selbstzweck. In der "mystischen Praxis" stellen sich zwei Fragen. Erstens: Wie kann ich mich für eine solche Erfahrung öffnen? Zweitens: Wie kann das verwandelnd in mein alltägliches Leben einfließen? Die Antwort auf beide Fragen lautet immer wieder: durch Übung. "Im Üben nehme ich nur etwas auf, das einfach ist und wiederholbar", so Hof. Das könne ganz einfach der Atem sein. Tiefe Erfahrung sei nicht das Ziel, sondern damit fange es erst an. Letztlich gehe es immer um das Leben als Ganzes in seiner Alltäglichkeit. Der Alltag selbst werde zum Ort der Übung.


Zuhörer diskutieren

Bezugnehmend auf das Rahner-Zitat wurde gefragt, ob nicht die Gefahr besteht, dass in unserer heutigen hektischen Zeit kaum noch Raum bleibt für Stille und Mystiker und damit Fromme. Helmut Hof antwortete mit dem Satz von Hölderlin: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch." Mystiker gebe es in allen größeren Religionen, im Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus wie im Christentum. Im Buddhismus und Hinduismus sei mit der Meditationspraxis die achtsame Hinwendung zum Hier und Jetzt allgemeiner verankert. Dort gelte die religiöse Sicht stärker der Innenwelt, während im Christentum der Blick mehr als dort auf die äußere Welt gerichtet sei.
Ein Beitrag aus der Männerrunde verwies auf die Bescheidenheit moderner Naturwissenschaftler. Sie sehen die von uns Menschen erdachten naturwissenschaftlichen Modelle Beschränkungen unterworfen. Die tatsächliche Wirklichkeit überlassen sie einer höheren Instanz. Gotthard Eichstädt