Bernd Zwenzner hatte mit seinem Wohmobil im Juni seine Frau besucht, die in Bad Steben auf Kur war. "Ich wollte über den Frankenwald wieder nach Hause nach Weidenberg fahren", erzählt er. Auf der kurvenreichen Strecke zwischen Presseck und Stadtsteinach entdeckte er ein Rennrad. "Es lag einfach am Straßenrand. Das kam mir komisch vor, ich fuhr etwas langsamer", erinnert sich der 75-Jährige.

Neben dem Rennrad, im Graben liegend, entdeckte er einen Mann. Bernd Zwenzner: "Ich konnte den Mann genau sehen, weil ich mit dem Wohnmobil etwas höher saß. Er lag auf dem Gesicht."

Bernd Zwenzner zögerte keine Sekunde, hielt an und wählte die 112.

"Es war riesiges Glück, dass der Mann mit einem Wohnmobil unterwegs war. Aus einem normalen Auto heraus hätte man den Verletzten vielleicht erst viel später entdeckt", bestätigt der Chef der Stadtsteinacher Polizei, Georg Löffler.

"Beim Notrufabsetzen war das größte Problem, die Fundstelle genau zu erklären", schildert der aufmerksame Wohnmobilfahrer aus Weidenberg. Denn schließlich war er nicht ortskundig.

Am Unfallort reanimiert

Der 75-Jährige Helfer hätte den Mann auch nicht allein aus dem Graben hieven können. Doch zum Glück kamen zwei Motorradfahrer, die versuchten, den Verletzten zu reanimieren. Andere Verkehrsteilnehmer sicherten die Unfallstelle ab.

"Es ist unglaublich, wie hilflos man sich in so einer Situation fühlt. Man hat das Gefühl, dass es ewig dauert, bis Hilfe kommt", berichtet der Weidenberger, der durch seine Tat zum "stillen Helden" avancierte. Doch dank des Zusammenwirkens vieler konnte die Situation entschärft werden.

"Der Wohnmobilfahrer hat vorbildlich gehandelt. Es ist heute leider nicht mehr selbstverständlich, dass die Leute anhalten und helfen", kommentiert Polizeichef Georg Löffler das Geschehen. Er zollt Zwenzner größten Respekt.

Bei dem Verletzten handelte es sich um einen 62-jährigen Mann aus dem Landkreis Kronach. Der passionierte Rennradfahrer wollte an dem heißen Junitag noch eine Runde drehen. Was genau zum Sturz geführt hat, ist bislang unklar. Fest steht, dass er an dieser Stelle von seinem Drahtesel abstieg, die Fahrbahn überquerte und dann in den Graben stürzte. Möglicherweise war ihm schwindlig geworden. Bei dem Unfall zog sich der Kronacher schwere Verletzungen an der Wirbelsäule und am Kopf zu. Die Verletzungen waren so erheblich, dass der Radfahrer kurze Zeit später im Krankenhaus verstarb. Die Kripo Bayreuth hat ermittelt, dass ein Fremdverschulden ausgeschlossen werden kann. Will heißen: Ein anderer Verkehrsteilnehmer war an dem Unfall nicht beteiligt.

Der Wohnmobilfahrer aus Weidenberg indes bezeichnet sein Verhalten als "selbstverständlich". Dass sich die Polizei später noch einmal bei ihm bedankt hat, freut den Ersthelfer. "Das, was ich gemacht habe, war doch keine große Sache, sondern einfach nur normal. Bei einem Unfall zählt jede Sekunde." Leider führte sein Einschreiten nicht zu einem Happy End, ein "stiller Held" ist der Wohnmobilfahrer trotzdem.