Kronach — Treue und verdiente Mitglieder hat die Gewerkschaft Verdi bei einer Feierstunde im Kronacher Turnerheim ausgezeichnet. Zu den Geehrten zählte auch Richard Bär aus Kronach, der für 50-jährige Mitgliedschaft die Treuenadel in Gold mit Urkunde erhielt.
Stellvertretend für weitere drei "goldene Jubilare" erinnerte Richard Bär an die Zeit seines Beitritts in die Gewerkschaft vor fünf Jahrzehnten. "Nach meiner Lehrzeit als Großhandelskaufmann sollte in meinem Ausbildungsbetrieb ein Betriebsrat installiert werden. Da ich mich dafür sehr interessierte und auch engagierte, trat ich 1964 in die Gewerkschaft ein."

Immer kompetent geantwortet

Damals sei er als Verkaufsförderer bei Spar beschäftigt gewesen, so Bär. Später wechselte er ins Rechnungswesen der HUK Coburg, wo er zum Leiter der Buchhaltung inklusive der Bilanzierung aufstieg. "Es war für mich wichtig, gerade in der Zeit eine vernünftige Berufsvertretung zu haben. In vielen Arbeitsrechtsfragen erhielt ich immer kompetente Antworten. Deshalb war die Gewerkschaft ein Wegbegleiter meines beruflichen Lebens", so der Jubilar.
Doris Stadelmeyer, Bezirksvorsitzende von Verdi, blickte auf herausragende Ereignisse der Jahre zurück, in denen die Jubilare einst beitraten. So sei 1964 das Bundeskindergeld eingeführt worden. 1974 gab es den ersten bundesweiten Streik im öffentlichen Dienst. Und vor 25 Jahren wurde der lange Donnerstag in Deutschland eingeführt.
Heute, so Stadelmeyer, gebe es mehrere verkaufsoffene Sonntage, gegen die sich Verdi aber wehre. "Nach unserer Auffassung braucht kein Mensch den Sonntag zum Einkaufen."
Einen flächendeckenden Mindestlohn werde es ab dem 1. Januar 2015 geben. "Darauf können wir stolz sein", rief die Bezirksvorsitzende. Gerade im Dienstleistungsbereich gebe es eine Fülle von Branchen, die weit unter 8,50 Euro pro Stunde bezahlen, und die Arbeitnehmer seien nicht in der Lage, sich zu wehren, "weil sie nicht organisiert sind". Als weitere Errungenschaften jüngster Zeit nannte die Rednerin die Rente mit 63 ohne Abschlag für langjährig Beschäftigte und die Einführung einer Mütterrente mit Anerkennung eines weiteren Versichertenjahres für Kinder, die vor 1992 geboren wurden.

"Wir brauchen Gewerkschaften"

Die Bezirksvorsitzende weiter: "In diesen für Arbeitnehmer schwierigen Zeiten gilt mehr denn je, dass wir Gewerkschaften brauchen und vor allem erfahrene Gewerkschafter wie euch."
Zu den Gratulanten zählten auch der stellvertretende Bezirksvorsitzende des DGB-Regionalverbandes Oberfranken- West, Siegfried Koch, und der katholische Betriebsseelsorger Eckhard Schneider. Letzterer hob den Kampf der Gewerkschaften für eine humanitäre Arbeitswelt hervor.
Zähle man die Jahre aller Jubilare zusammen, komme man auf die stolze Zahl von 995, sagte Vorsitzender Wolfgang Schmitt vom Verdi-Ortsverein Kronach. Er rief dazu auf, weiter junge Mitglieder zu werben. Die Geehrten nannte er Vorbilder für viele Arbeitnehmer. Den Glückwünschen schloss sich die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Doris Glück an.
Entertainer Tom Sauer hatte auch nachdenkliche Texte aus eigener Feder dabei. eh