Nach dem normalerweise eher launischen April stellt sich im Mai üblicherweise das schöne Wetter ein. Aber Vorsicht: Vom 12. bis 15. Mai stehen die Eisheiligen im Kalender, die meistens die Kälte noch einmal zurückkommen lassen. Diese Tage sind bei Gärtnern und Landwirten gefürchtet. Denn erst nach diesen sollte man seine frostempfindlichen Pflanzen ungeschützt in den Garten ausbringen.

Eine alte Bauernregel besagt daher: "Pankraz, Servaz und Bonifaz, machen Eis und Frost gern Platz; und zum Schlusse fehlet nie, die kalte Sophie." (15. Mai)." Diese vier Heiligen haben außer der Tatsache, dass ihre Festtage beieinander liegen, kaum etwas miteinander gemein.

Pankratius wurde im Alter von 14 Jahren vermutlich unter Kaiser Diokletian enthauptet. Angeblich war er der Sohn eines reichen Phrygiers, der von Papst Cornelius zum christlichen Glauben bekehrt wurde. Sein Grab fand er an der zweiten Meile der Via Aurelia, wo ihm Papst Symmachus um 500 eine Basilika erbauen ließ. Sein Kult ist in ganz Mitteleuropa verbreitet. Gelegentlich ist er auch unter den 14 Nothelfern zu finden.

Servatius stammte vermutlich aus dem Orient und war einer der Hauptgegner der Arianer auf der Synode von Sardica. Danach wurde er Bischof von Tongern. 366 und 384 sind Reisen nach Rom bezeugt, er starb 384 in Maastricht. Bei Bonifatius unter den Eisheiligen handelt es sich nicht um den Apostel der Deutschen, sondern um Bonifatius von Tarsus, dessen Festtag am 14. Mai begangen wird. Nach einer romanhaften griechischen Passio starb er im 4. Jahrhundert für seinen Glauben in Tarsus. Der nach Rom gebrachte Leichnam wurde an der Via Latina beigesetzt.

Sophie endlich stammte nach einer legendären Passio aus dem Osten des Römischen Reiches. Als sie mit ihren drei Töchtern nach Rom gekommen war, wurden sie dort wegen ihres Glaubens gefangen genommen und die Töchter enthauptet. Die Mutter starb kurz danach am Grab ihrer Kinder.

Warten auf Sophie

Erst nach diesen frostigen Gesellen, also am 16. Mai, brachten früher die Kleingärtner ihre vorgezogenen Pflanzen in den Garten aus. Zuvor hatte man sie auf der Fensterbank, oder im "Mistbeet", das abgedeckt werden konnte, heranwachsen lassen.

Nicht selber gezogene Pflanzen holten sich die Herzogenauracher früher beim Blumen Schoetzau (Erlanger Straße 4, zuvor "Buri Ger"), Schaufler (Erlanger Straße 19), der Gärtnerei Gauch (Noppengasse 7) oder Meidel (Bamberger Straße 18). Pflanzen gab es auch im Liebfrauenhaus, das früher eine eigene Gärtnerei betrieb. Dort konnte man neben Komposterde auch Pflanzen von einer Ordensschwester kaufen. Ein großes Areal bewirtschaftete das Liebfrauenhaus zur Selbstversorgung in Eigenregie. Außerdem war es bei den Gärtnern üblich, die Bohnen am ersten Freitag im Mai zu "legen". Aber auch für die Kartoffeln galt der Wahlspruch: "Steckst mi im April, kummi wenni will!; Steckst mi im Mai, kummi glei!"