von unserer Mitarbeiterin Manja von Nida

Ebersdorf bei Neustadt — Das Ingrid und Klaus Pechtold gestern vor fünfzig Jahren, am 15. August 1964 in der Sankt Georg Kirche heirateten, haben sie eigentlich Klaus Pechtolds Schwiegermutter zu verdanken. Als verlobtes Paar durften sie nicht gemeinsam in den Urlaub fahren. Moral, Sitte und Anstand, darauf achteten damals die Eltern besonders. "Ich war ja erst 20 Jahre, also noch nicht volljährig.
Meine Mutter sagte, wir dürften erst dann zusammen in den Urlaub fahren, wenn wir verheiratet wären", erinnerte sich Ingrid Pechtold schmunzelnd. "Dann heiraten wir halt", meinte ihr Verlobter spontan. "Da waren meine Eltern überrascht, als mein Klaus sich die Unterschrift bei ihnen für das Aufgebot holte."
Ingrid Pechtold, ein schlesisches Flüchtlingskind, kam 1952 als Achtjährige nach Neustadt. Die Eltern betrieben in der Austraße die Bäckerei "Mummert". Nach der Schulzeit besuchte sie die Mittelschule und wurde Arzthelferin. Als junges Mädchen musizierte sie im Posaunenchor von Sankt Georg. "Ich war damals das erste Mädchen im Neustadter Posaunenchor, ich war also ein Pionier und bahnbrechend." Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann kennen. Klaus Pechtold, ein echter Neustadter, stammte aus einer gut eingesessenen Handwerkerfamilie, der Schreinerei Pechtold. Nach seiner Schulzeit erlernte er im elterlichen Betrieb das Schreinerhandwerk und bildete sich an der Technikerschule weiter. Das Hochzeitswochenende vor fünfzig Jahren war ziemlich aufregend. Bereits am Polterabend, einem Freitag, pendelten beide zwischen Backstube und dem Café "Teddybär". Dort wurde in großer Gesellschaft gefeiert. Bis 4 Uhr morgens hatten sie viel zu fegen. Danach musste das Paar heim, jeder in sein Zuhause. "Es gab damals ja noch den Kuppeleiparagrafen. Da musste selbst am Polterabend der Bräutigam noch heimgehen."

Mutter passte auf

Meine Mutter hatte aufgepasst, dass alles korrekt über die Bühne lief. Vor der Hochzeit durfte mein zukünftiger Mann auch nie über Nacht bei mir bleiben. Das war halt früher so. So hatte man sich umso mehr auf das Wiedersehen gefreut. Irgendwie hatte das auch noch seinen Charme, denn da wuchs die Liebe und die Sehnsucht nach dem anderen", wusste Ingrid Pechtold.
Im "Putzenbräu" wurde nach der Trauung gefeiert. "Ich kann mich daran sehr gut erinnern, da ist noch alles präsent", strahlten Ingrid Pechtolds Augen und ihr Gatte Klaus schmunzelte. Selbst die Worte vom Standesbeamten Neubauer, der gemahnt hatte, der Ehefrau die Kohlen aus dem Keller zu holen, erinnerten sich beide.
Nach der Hochzeitsfeier brachte der "Lumpensammler-Bus" die Frischvermählten zum Zug und zwei traumhafte Flitterwochen in Seefeld/Tirol begannen. Nach der Hochzeit zog das junge Ehepaar fort aus Neustadt. "Wir haben unser eigenes Leben aufgebaut, Das war auch gut so, denn so waren wir auf uns selbst gestellt. Das hat uns sicherlich auch fest zusammengebunden, ohne ein Einmischen von Eltern und Schwiegereltern", so die Jubilarin. 1970 kehrten sie wieder heim, als der junge Ehemann bei der Ebersdorfer Firma Wagner "Massemühle" eine Stelle als Werkleiter bekam. "Neustadt war ja unsere Heimat, die Schwiegereltern waren da und wir waren auch gern wieder hergekommen", fügte die Jubilarin hinzu.
Für seine drei Buben und seine Frau baute Vater Klaus in Ebersdorf ein Haus und blieb seinem Arbeitgeber bis zum Ruhestand 30 Jahre treu. Als die Kinder noch klein waren, verdiente Ingrid Pechtold mit Heimarbeit etwas dazu. Nach ihrer Kinderpause bildete sie sich weiter zur "geprüften Sekretärin" und arbeitete dann bis zur Rente im Rathaus.
Beide sind im Ebersdorfer Vereinsleben (Feuerwehr, Bürgerverein, Siedlergemeinschaft) in Vorstandsposten stark engagiert. "Wir sind gut beschäftigt, haben die Vereine, einen schönen Garten mit Blumen, Gemüse, und haben viel Freude mit unseren Kindern und den drei Enkeln", blickte das Jubelpaar zufrieden zurück. "Fünfzig Jahre, das ist eine sehr ausgefüllte Zeit. Wir haben immer das Beste daraus gemacht und waren zufrieden. Damit sind wir immer gut zurechtgekommen". In einer Andacht segnete Pfarrer Eckard Fischer das Jubelpaar.