Sie habe sich, sagt Heidi Friedrich zur Begrüßung, so ein richtiges Nischenthema ausgesucht. Aber das ist schon die erste Pointe, denn: "Wohnen muss ja jeder." Das Solo-Programm der Bamberger Kabarettistin mit rheinischem Migrationshintergrund heißt: "Vier Wände für ein Halleluja". Am Donnerstagabend feierte es im ausverkauften Jazzkeller Premiere.
Das Wohnen ist also der Aufhänger des Programms, das mit einem biographischen Ausflug in die 60er Jahre beginnt, wo alles noch selbst gebaut wurde und sich die vierjährige Heidi als Handlangerin an der Betonmischmaschine nützlich machen durfte. "Solche Bilder kennen wir heute nur noch aus dem Kosovo."
Der Sprung in die Moderne gelingt über das Kostüm. Immer wenn die Kabarettistin sich die Daunenjacke überwirft, schlüpft sie in die Rolle der versnobbten Mutter und Smart-Home-Besitzerin. "Manche Häuser sind ja jetzt intelligenter als ihre Besitzer." Und dass das nicht nur von Vorteil ist, liegt auf der Hand. Friedrich zeichnet das überspitzte Bild einer schönen neuen Welt, in der russische Hacker die Waschmaschine kontrollieren und die Daunenjackenträgerin mit ihrem eigenen Staubsauger bei Facebook befreundet ist.
Knapp zwei Stunden turnt Friedrich über die kleine Jazzkellerbühne. Im pinken Longsleeve schlüpft sie in die Rolle der Kölner Proll-Figur Mandy Küppers, im weißen Blazer mimt sie das Abziehbild der gierigen Immobilieninvestorin: "Alle wollen den Kiez, nur ohne die Nutten vor der Tür und den Dönerladen gegenüber." Die Gentrifizierungs-Satire ist treffend und bissig. Unterm Mietwucher, sagt sie, leide ausgerechnet die CSU am schlimmsten. Die musste schließlich aus Wildbad Kreuth aus- und nach Oberfranken ins Kloster Banz umziehen. Die fiesen Wittelsbacher hatten die Miete erhöht.
Die besten Momente gehen teilweise fast unter, weil es kleine sind. Die absurd-komische Idee: "4,70 Meter hohe Decken - wer soll denn da einziehen? Giraffen?" zum Beispiel oder die vielen deutsch-bürokratischen Wortschöpfungen: Wenn Rentner sich teure Reisen gönnen, sind das "Erbminderungsfahrten" und eine Frau in Friedrichs Alter sei für jede Jüngere ja schon eine "Grabnutzungsberechtigte".
Daneben wird vieles bearbeitet, was in deutschen Kabarett halt so bearbeitet wird: Das Alter, die Technik, die jungen Leute. Da wirkt nicht jede Pointe absolut taufrisch. Wurscht: Das Publikum johlt, dafür reicht manchmal ein einziges Schlagwort. "Thermomix" zum Beispiel. "Da kippst du oben Blumenerde rein und unten kommt Lasagne raus."