von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Bad Staffelstein — "Klar ist es eine Brücke", sagt die Schauspielerin und Sängerin Dany Hertje. Aber eine Brücke mit einer urigen Atmosphäre, so wie es sie auch in einer Bar gegeben haben dürfte. In Amerika der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Sängerin Billie Holiday mit ihrer unverwechselbaren Stimme das Publikum begeisterte. Die Jazzlegende kann in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. Als Billie Holiday begeisterte Dany Hertje am Donnerstagabend ihr Publikum in "Der Blues der Lady" im Brückentheater. Vater Vitali Hertje war der perfekte Begleiter am Piano.
Billie Holiday wird am 7. April 1915 als Eleonora Harris in Philadelphia geboren. Bei der Geburt ist ihre Mutter gerade einmal 15 Jahre alt, der Vater zwei Jahre älter. Holiday wächst meist bei Verwandten auf. Als ein Nachbar sie vergewaltigt, wird sie in ein katholisches Erziehungsheim eingewiesen. Danach schlägt sich Holiday für wenig Geld als Putzfrau bei Weißen und in einen Bordell durch. Auf dem Grammofon liegen die Platten von Musik-Legenden wie Louis Armstrong und Bessie Smith. Als Halbwüchsige zieht sie mit ihrer Mutter in den New Yorker Stadtteil Harlem und findet Beschäftigung in einem Bordell.

Unter Diskrminierung gelitten

Ihre Gesangskarriere beginnt 1929. Ihren Künstlernamen bastelt sie sich aus den Vornamen der Schauspielerin Billie Dove und dem Nachnamen ihres Vaters Clarence Holiday. Mit 22 Jahren tourt sie mit Artie Shaw und seiner Big Band durch Amerikas. Als Schwarze leidet Billie Holiday unter der Diskriminierung durch die weiße Bevölkerungsschicht. Manche Hotels darf sie nicht durch den Vorder eingang betreten, soll bei Auftritten den Hintereingang nehmen und wird in manchen Lokalen nicht bedient.
Wie ihr großes Vorbild, so ist auch Dany Hertje mit dem Jazz aufgewaschen. Nur das der nicht von einem Grammofon kam, sondern von ihren Vater Vitali Hertje am Piano gespielt wurde. "Jazz habe ich von morgens bis abends gehört", erinnert sich die Tochter. Der großen Jazzlegende Billie Holiday hat sie sich mit viel Engagement genähert. Sie hat sich alte Live-Aufnahmen angesehen, hat ihre Mimik studiert. Unter den vielen Songs der Jazzlegende geht an diesem Abend einer besonders unter die Haut. "Strange Fruit", eine leidenschaftliche Anklage gegen die Lynchjustiz im Süden der USA. Das Lied erzählt von schwarzen Leichen, die an Ästen baumeln, von deren Blättern und Zweigen Blut tropft. Der Song, der zum Markenzeichen von Billie Holiday wurde.
Eines Abends im Jahr 1933 holt sie der Jazz-Experte John Hammonds für Aufnahmen mit Benny Goodman ins Studio. Das ist der Beginn ihrer beispielslosen Weltkarriere. Dennoch wird ihr Leben über weite Strecken von Alkohol und Drogen dominiert. Ihre Ehe mit dem Trompeter Joe Guy geht in die Brüche. Im Jahr 1954 schafft sie den Sprung über den Atlantik. Während ihrer Europatournee gibt sie 40 Konzerte in 30 Tagen, unter anderen auch im vom Krieg zerstörten Berlin.
Billie Holidays größter Wunsch war der Kauf eines großen Hauses auf dem Land für Waisenkinder und streunende Hunde. Ein Haus für Kinder, die nicht darum gebeten haben geboren zu werden. Denen wollte Billie Holiday beibringen, wie man glücklich ist, genau das zu sein, was man ist.
Dany Hertje gelang es, die Widersprüche der charismatischen Persönlichkeit sowohl musikalisch als auch schauspielerisch umzusetzen.