In Kooperation mit der Jagdgenossenschaft luden die Geschichtsfreunde Unterzettlitz kürzlich zu einer Begehung der Flurgrenzen von Unterzettlitz ein. Zu der Veranstaltung, die auf großes Interesse stieß, konnte der Vereinsvorsitzender Dieter Lorenz zahlreiche Dorfbewohner begrüßen, darunter auch Stadträtin und Ortssprecherin Bärbel Köcheler.
Nachdem man sich in den vergangenen Jahren durch zwei entsprechende Veranstaltungen bereits über einen Großteil der historischen Grenzverläufe und entsprechende Veränderungen im Zuge der Flurbereinigung informiert hatte, stand nun das letzte Teilstück auf dem Programm.
Im Verlauf der gut zweistündigen Exkursion konnten sich die Anwesenden auch anhand von aktuellen Karten über die Flurgrenzen von Unterzettlitz ein genaues Bild verschaffen. Dabei wurde das Thema von Hubert Kolling auch unter historischen Gesichtspunkten beleuchtet. Bereits im Alten Testament seien schon Grenzsteine erwähnt worden, unter anderem im fünften Buch Mose, wo es heißt "Verflucht, wer den Grenzstein seines Nachbarn verrückt". Den bislang ältesten Beleg, den der Historiker hierzu zu Unterzettlitz fand, ist zwar weitaus jünger, aber immerhin schon fast 400 Jahre alt, nämlich in der Gemeinderechnung von 1619, die bei den Ausgaben auch den Eintrag "4 Batzen den Herrn Märkern von Steinen zu setzen, als man mit dem Claus Bauer gemarket" enthält.
Immer wieder habe die Gemeinde zur Aufrechterhaltung ihrer Flurgrenzen Geld ausgegeben, so beispielsweise im Jahr 1740, wo sie einen Gulden zehn Kreuzer dafür zahlte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hätten das Amt des Märkers in Gemeinde Unterzettlitz erst zwei Personen ausgeübt: Andreas Mahkorn in Unterzettlitz und Andreas Dauer in der Filialgemeinde Niederau. Die Situation habe sich erst 1868 geändert, indem die Zahl der Märker amtlicherseits auf fünf erhöht wurde. Damals seien am 10. September zusätzlich Wolfgang Senger und Johann Betz für Unterzettlitz und Ignatz Böhmer für Niederau gewählt worden.
Während man sich zur Flurbegehung heute aus geschichtlichem Interesse versammelt habe, sei sie in früheren Jahren eine amtliche Verpflichtung gewesen. In diesem Zusammenhang berichtete Kolling über Artikel zwölf des Abmarkungsgesetzes vom 30. Juli 1900, nach dem die Feldgeschworenen dazu verpflichtet waren, die Grenzen der Gemeindeflur zu beaufsichtigen und hierzu mindestens alle drei Jahre die Grenzen zu begehen.