Klemens Wuttke stellt ziemlich regelmäßig in der ehemaligen Synagoge einen berühmten Maler in einem Diavortrag vor. Diesmal berichtete er über die Künstlergruppe "Der Blaue Reiter". Diese lose Künstlergemeinschaft sei 1911 durch Abspaltung aus der 1909 gegründeten Neuen Künstlervereinigung entstanden und ihr gehörten so namhafte Maler wie Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, August Macke, Paul Klee, Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin an.
Die meisten in dem Vortrag gezeigten Bilder stammen aus dem Lenbachhaus in München, das die weltweit größte Sammlung zur Kunst des "Blauen Reiter" besitzt, was der großzügigen Stiftung von Gabriele Münter zu verdanken ist. Sie gehörte nicht nur als Malerin dieser Gruppe an, sondern war auch bis 1914 die Lebensgefährtin von Kandinsky. Anlässlich ihres 80. Geburtstages vermachte sie 1957 dem Lenbachhaus über 1000 Werke des "Blauen Reiter", darunter 90 Ölbilder und 330 Aquarelle und Zeichnungen von Kandinsky.


Was uns Farben sagen können

Die Maler der Gruppe hätten ein besonderes Empfinden für Farben und Formen gehabt. So habe Franz Marc (1880-1916) häufig Tierbilder in wirklichkeitsfremden, symbolkräftigen Farben gemalt. Er habe die Farben gleichsam als Wesensfarben betrachtet und etwa die Farbe Blau mehr als herb und männlich und die Farbe Gelb als sanft, heiter und weiblich angesehen.
Als Beispiele zeigte Wuttke die bekannten Bilder "Das blaue Pferd" und "Die gelbe Kuh". Die Tiere seien für Franz Marc auch deswegen seine bevorzugten Motive gewesen, weil er sie durch ihr Leben im Einklang mit der Natur als Sinnbild von Ursprünglichkeit und Reinheit sah. Einer der Hauptvertreter der Gruppe sei der russische Maler Wassily Kandinsky (1866-1944) gewesen, der längere Zeit in München lebte. Er sei einer der Pioniere der abstrakten Malerei gewesen und habe mit seinen Bildern wie "Das Jüngste Gericht (Komposition V)" oder "Impression III (Konzert)" einen großen Einfluss auf die moderne Malerei ausgeübt.
Gabriele Münter (1877-1962) hingegen habe in ihrem Haus in Murnau am Staffelsee neben ihrem Lebensgefährten Kandinsky ständig Künstler des "Blauen Reiter" empfangen und sich von ihnen anregen lassen, sodass sie sich zu einer bedeutenden expressionistischen Malerin entwickelte.
Auch August Macke (1887-1914) habe viel Wert auf die räumliche Farbwirkung gelegt. Sein Stil sei geprägt von der Wirkung des Lichts und durch die Verwendung leuchtender Farben. Eine große Inspiration habe er dabei auf seiner Tunesienreise 1914 in Begleitung von Paul Klee und Louis Moilliet erfahren. Im Gegensatz zu Franz Marc sei Mackes Lieblingsmotiv der Mensch gewesen. Das Bild "Indianer mit Pferden" zeigte beispielsweise zwei Indianer auf einem Pferd und einen dritten am Boden stehenden Indianer mit einem Speer in der Hand. Alle Formen und Farben der Häusergruppe und des Gebirges im Hintergrund lassen dem Betrachter die Naturverbundenheit der Indianer spüren.
Abschließend betonte der Referent, dass der Kreis des "Blauen Reiters" zu einer der wichtigsten künstlerischen Erneuerungsbewegungen der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts gehörte, die mit ihrer farbigen, expressiven und zum Teil abstrahierenden Formensprache verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten Raum bot.