Seit sie in Coburg lebt, macht Antoinetta Bafas Kultur, als Chorleiterin und Veranstalterin. 2020 wurde sie als Parteilose auf der CSU-Liste in den Stadtrat gewählt. Nun ernannte sie der Stadtrat mit einigem Anlauf zur Kulturbeauftragten. Anlass für ein Gespräch.

Frau Bafas, wozu braucht Coburg eine Kulturbeauftragte? Es ging doch bislang ohne?

Antoinetta Bafas: Sie spiegeln sicher die Diskussion des Stadtrates wider mit den zwei Fragen. Ich werde erst die zweite Frage beantworten: Man kann immer alles beim Alten belassen oder was verändern. Und damit zu der ersten Frage: Um Dinge zu verbessern oder Neues zu probieren! Gerade in Bezug auf die von der Pandemie zu Boden geschlagene Kultur kann man nicht genug Anstrengungen unternehmen, um dieser wieder auf die Beine zu helfen, und eine "Beauftragung" in die kommunale Politik ist sicher keine schlechte Idee an sich.

Wäre es nicht sinnvoll oder genauso nötig, die Kulturabteilung der Stadtverwaltung personell aufzustocken?

Das ist für mich ein anderes Thema, denn beim Kulturbeauftragten handelt es sich um ein Ehrenamt mit entsprechenden Aufgaben, bei der Kulturabteilung um personelle hauptamtliche Ressourcen, die den Aufgaben entsprechend nach Bedarf angepasst werden können oder nicht. Da aber Kultur ein sehr breites Feld ist, wird sie in der Stadt Coburg entsprechend auf mehrere Institutionen, Ämter und Eigenbetriebe aufgeteilt, und da gilt es an erster Stelle, die unterschiedlichen Aufgaben gut miteinander zu vernetzen und abzustimmen.

Viele der Coburger Kulturakteure sind fest etablierte Institutionen wie Landestheater, Kunstsammlungen, Landesstiftung, Puppenmuseum, Kunstverein. Wie wollen sie die überzeugen, dass sie sich in eine gemeinsame Kulturarbeit mit der Stadt einbinden lassen?

Ich denke, viele tun es bereits. Was Sie vielleicht meinen, ist der oft entstandene Eindruck, dass manche ihr eigenes Süppchen kochen. Aber spätestens mit der Pandemie haben alle erkannt, dass es enorm wichtig ist, sich zu öffnen, mit anderen Kulturpartnern ins Gespräch zu kommen und an einem gemeinsamen "Auftritt" zu arbeiten. Denn was kann uns Besseres passieren, als Coburg nach außen als heiße Kulturdestination zu vermarkten? Und das kann nur eine gut koordinierte städtische Verwaltung schaffen, alleine geht das nicht.

Was ist mit der sogenannten alternativen Kultur, den gewerblichen Veranstaltern, die zum Beispiel ein "Schlagerfestival" ins Kongresshaus bringen? Gehören die zur Kulturszene dazu?

Sie gehören so was von dazu! Ich finde, sie leisten super Arbeit, gerade weil sie bereit sind, Kultur unternehmerisch zu leisten, mit all den Risiken, die damit verbunden sind. Und wenn sie Menschen emotional abholen, ist allein das doch eine wertvolle kulturelle Aufgabe. Übrigens: In jedem Genre gibt es gute und schlechte Kunst, unabhängig vom Budget und Ressourcen.

Was haben Sie sich als Erstes vorgenommen?

Als Erstes möchte ich in Dialog mit möglichst vielen Kulturschaffenden und Institutionen treten, aber auch mit den Ämtern, die Kultur verwalten und fördern. Auch ein gutes mediales Auftreten zur Vernetzung mit Bürgern schwebt mir vor, um darüber deren Wünsche und Anregungen aufzunehmen, denn wir alle wollen diese für sie anbieten. Also eine Art Austauschplattform, die sich sowohl Künstler, als auch Kulturnutzer wünschen.

Wie sollte die Coburger Kulturlandschaft 2026 aussehen?

Es wäre überheblich, als einzelne Person irgendwelche Großvisionen hier rauszuposaunen. Das sollten alle Kulturanbieter gemeinsam definieren. Was ich dazu vielleicht leisten kann, ist, so eine Diskussion anzustoßen, gerne zusammen mit Ihnen, den medialen Vertretern. Wenn ich aber eine Vorstellung dazu geben kann: Ich würde mir wünschen, auch nach 2026 volle Veranstaltungen in Coburg zu erleben, mit vielen jungen Gesichtern! Und Menschen aus ganz Deutschland und der Welt! Denn das ist unsere Coburger Kultur allemal wert!

Die Fragen stellte Redaktionsmitglied

Simone Bastian.