Zum Artikel "Von Sonnenkult und Römern" vom 24. Dezember:

Ich finde es erfreulich, dass der Fränkische Tag mit diesem Artikel von Jordan Raza dem Weihnachtsfest auf den Grund gegangen ist. Hierzu möchte ich einige Punkte ergänzen: Bezüglich der terminlichen Festlegung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember in der Kirche des Westens gibt es zwei viel diskutierte Vermutungen: die Berechnungshypothese sowie die apologetisch-religionsgeschichtliche Hypothese, der mehr Gewicht zukommt.

Unter Kaiser Aurelian wurde, wie historische Quellen belegen, am 25. Dezember 274 in Rom ein heidnisches Staatsfest zur Ehre der Geburt des unbesiegten syrischen Sonnengottes ("Natale Solis Invicti") eingeführt. Als Gegenpol dazu, so wird angenommen, setzte die mit dem Arianismus konfrontierte Christenheit (Arianer leugneten die Gottheit Christi) das Geburtsfest der wahren Sonne Jesus Christus.

Etwas ausführlicher als im Artikel gehe ich noch auf den Brauch des Beschenkens an Weihnachten und die Herkunft des Christbaumes ein. Ich orientiere mich dabei am Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti: Bischof Nikolaus war historisch gesehen der eigentliche "Kinderbeschenker".

Martin Luther suchte die Bedeutung des Nikolaus dadurch zu mindern, indem er ihm das Schenken nahm und dies auf Weihnachten verlegte. Dadurch entwickelte sich das Weihnachtsfest mehr und mehr zu einem Familienfest. Das "Christkind" wurde nun zum Gabenbringer, wie der Nikolaus ursprünglich mal geschenkt hat: still und heimlich. Ganz ausschalten konnte Luther aber das Nikolausbrauchtum nicht.

Neu-Amsterdam in Amerika hatte Nikolaus zum Stadtpatron, bis die Niederländer von den Engländern hinausgeworfen wurden. Die Stadt wurde umbenannt in New York und aus dem niederländischen "Sinterklaas" wurde "Santa Claus". Dieser kam nicht mehr am Nikolausabend, sondern am Heiligen Abend und wurde zu einem "Schenk-Onkel". Er trägt keine klerikalen Gewänder mehr und wurde ab dem 19. Jahrhundert mit einem roten Mantel mit weißem Pelzbesatz und roter Plümmelmütze dargestellt. Coca Cola griff auf diese Figur zurück, die ihre Hausfarben rot und weiß trug, als die Firma weltweit in die Werbung für ihr Produkt ging. Der in Amerika säkularisierte Nikolaus kam so als Weihnachtsmann nach Europa zurück. Die Katholiken übernahmen um 1900 das Christkind als Gabenbringer.

Der Baum symbolisiert in allen Kulturen und Religionen das Leben. Bäume gelten als Sitze von Göttern oder begegnen uns in der Bibel als Paradiesbaum, als Baum der Verheißung bis hin zum Kreuzesbaum.

Am 24. Dezember, dem Gedenktag von Adam und Eva, fand vor dem Krippenspiel ein Paradiesspiel statt. Der paradiesische Baum der Erkenntnis wurde dazu aufgestellt. Es war natürlich ein grüner Baum im Winter mit kleinen roten Äpfelchen, die die verbotene Frucht darstellten. Dieser Baum blieb beim Krippenspiel stehen und wurde zur Vorlage unseres Christbaums.

Mittelalterliche Zünfte machten den Paradiesbaum zu einem "Schenkbaum" mit süßen Leckereien. Adlige und Wohlhabende schmückten den Baum mit Kerzen und funktionierten ihn um zum "Lichterbaum" als Symbol für den Messias, der Licht in die Dunkelheit der Welt gebracht hat.

Beide Formen haben sich in der familiären Form der weihnachtlichen Feier bis heute erhalten. Grün muss der Baum sein, weil er die Farbe des Lebens in der dunklen Jahreszeit wiedergibt, nämlich die Hoffnung auf neues Leben. Rote Äpfel oder Kugeln sollen anzeigen, dass der Tod Jesu am Kreuz die Erlösung bringt.

Uwe Altenbach

Kemmern