Sein Name ist in aller Munde: Rolf-Bernhard Essig. Im Nürnberger Verkehrsmuseum hat der in Bamberg lebender Sprachwissenschaftler mit dem Kinderbuchautor Paul Maar eine sehenswerte Ausstellung zum Thema Redensarten konzipiert: Besucher erfahren hier "Warum der Hund in der Pfanne verrückt wird".
Zum vierten Mal gastierte der Experte für Redensarten und Sprichwörter auf Einladung des Heimatvereins an der Aurach. Zusammen mit Herzogenaurachs Kulturpreisträger, dem Pianisten Thomas Fink, begeisterte er ein anspruchsvolles Publikum in der Cafeteria der Fachklinik mit seinem Programm "Herzensangelegenheiten". Der Germanist Essig hatte ein breites Spektrum an Gedichten, Aussagen von Künstlern und Schriftstellern zu dem unerschöpflichen Thema "Liebe" bereit. Egal ob schlüpfrig-erotische Liebesgedichte aus dem Barock oder zweideutige Redensarten, die Liebe ist und bleibt "eine Himmelsmacht".
Essig erwies sich als meisterhafter Unterhaltungskünstler, und Thomas Fink fand immer die passenden Töne bei den Fragen "ob Liebe wirklich blind macht" oder ob es stimmt, wenn man sagt "was sich liebt, das neckt sich" - und dazu drangen Finks Töne "true love" nicht nur ins Ohr, sondern auch in die Herzen der Zuhörer.


Frau hat 365 Seelen

In allen Ländern nimmt die Beziehung der Geschlechter zueinander einen breiten Raum ein, die Lebensweisheiten zu Liebe und Ehe sind tiefschürfend. Der Spanier vergleicht einen verliebten Mann mit einem Löwen und bezeichnet den Verheirateten mit einem Esel. Und was ist wahr an der Redensart: "Frauen sind die Schlauen - Männer sind die Penner?" Stimmt es, wenn man im Spanischen die Feststellung trifft: Melonen und Frauen sind schwer zu durchschauen oder wenn es in Polen heißt "Ob eine Frau eine Seele hat? - Nein, sie hat 365!" Auf all diese Fragen wusste Thomas Fink am Piano die passenden Antworten, wenn er intonierte: "Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen!"
In der Literatur sind die Themen "Liebe" und "Herz" verständlicherweise schier endlos: ob im Mittelalter der Minnesänger anstimmt "ich bin din und du bist min", ob Goethe, der begnadete Liebhaber, Heinrich Heine oder Wilhelm Busch, sie alle waren von der Beziehung der Geschlechter hin- und hergerissen. Friedrich Hollaender schrieb in den Zwanzigerjahren für Marlene Dietrich das Lied "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", und weil Thomas Fink die entsprechenden Töne anschlug, stimmte das begeisterte Publikum spontan mit ein. Fazit des äußerst unterhaltsamen Abends: Ein unschlagbares Duo machte Appetit auf mehr. Klaus-Peter Gäbelein