Für Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn und sein Vokalensemble TonArt ist es schon fast ein Stilmittel geworden, verschiedene Interpretationen eines Werkes nebeneinander zu stellen. Beim Jubiläumsprogramm stand das Lied "Verleih uns Frieden gnädiglich" im Mittelpunkt.

Die erste Version, die das zwölfköpfige Ensemble präsentierte, war eine sehr ruhige Motetten-Version aus der Feder von Balthasar Resinarius. Resinarius war Chorsänger in der Hofkapelle Maximilian I., später wurde er katholischer Priester.

Doch im weiteren Verlauf seines Lebens wandte sich Resinarius dem evangelischen Glauben zu. Seine Interpretation von "Verleih uns Frieden gnädiglich" stammt aus dieser Zeit. Immerhin ist der Text von keinem geringeren als von Martin Luther.

Zeitgenössische Variante

Die zweite Version des verheißungsvollen Liedes präsentierte "TonArt" vielschichtiger. Es stammt aus der Feder von Heinrich Schütz. Als i-Tüpfelchen stammte die dritte Interpretation des bekannten Liedes von einem zeitgenössischen Komponisten. Collin Mawby wurde 1936 geboren.

Er hat internationales Ansehen durch sein Wirken in der Westminster Cathedral erworben. Doch seine Version war nicht etwa revolutionär oder modern, sondern sie präsentierte sich melodisch-zuckersüß und verzauberte die Zuhörer mit einem wunderschönen Schluss.

Die Zusammenstellung des Programms war dem Kulmbacher Vokalensemble auf den Leib geschrieben. Begeistert lauschten die Zuhörer den vier Motetten aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins. Jenkins ist bei den Gruppen "Soft Machine" und "Adiemus" dabei.

In der Reihe der Superhits

Und dieses Ensemble machte auch das "Cantate Domine" zu einem Superhit. Leiser und getragener dagegen waren das "Laudamus te" und das "Agnus Dei". Beim "Ave Maria" begeisterte "TonArt" mit punktgenauer Artikulation.

Denn Karl Jenkins verfremdete die Marienhymne mit Staccato-Passagen, die den Sängern einiges abverlangten.

Als Intermezzo stellen Elke Höhn (Sopran), Karin Reinhold (Tenor) und Ingo Hahn (Orgel) Charles Gounods "Laudate Dominium" und "Ave verum" gegenüber. Auch Gounods "Benedictus" begeisterte.

Allerdings zeigte sich die Orgel ein bisschen kapriziös, indem sie auf die Temperaturschwankungen in der Kirche reagierte. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch.

Wunderschön musiziert war auch "Regina coeli", die legendäre Hymne an die Himmelskönigin. Langlais hat mit seinem musikalischen Schaffen einen wesentlichen Beitrag zur Musikwelt des 20. Jahrhunderts geleistet.

Ohrenweide

Immer wieder eine echte Ohrenweide ist Karin Reinholds Stimme. Gemeinsam mit Elke Höhns strahlendem Sopran sorgten die beiden Solistinnen für Abwechslung und für ein harmonisches Gesangserlebnis in der Petrikirche.

In Bestform war beim Jubiläumskonzert aber auch das Gesamtensemble. Das stellten die Sänger mit anspruchsvollen Motetten wie "Jesus und Nikodemus", einem Werk, das durch sein Wechselspiel zwischen Erzählpassagen und direkter Rede bestach sowie mit "Da pacem Domine" unter Beweis. "Da pacem Domine" stammt aus der Feder des russischen Komponisten Arvo Pärt. Er hat durch seine nicht-systemgetreue Musik den Zorn des Regimes auf sich gezogen und emigrierte in den 80er Jahren nach Wien. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Einfachheit der spirituellen Botschaft in den Mittelpunkt seines Wirkens zu stellen. Das verlangt von den Sängern höchste Präzision und Genauigkeit.

Wie eine Hymne

Mit Songs wie "Ubi caritas et amor" von Wolfram Menschik, das für "TonArt" schon fast eine Hymne geworden ist, mit dem "Pater noster", "Ein Geistlich Lied" und "Der Friede Gottes" ging das Jubiläumsprogramm zu Ende. Es bestach durch leise Nuancen.

Allerdings forderten die begeisterten Zuhörer noch zwei Zugaben. Das Vokalensemble beschenkte seine Fans mit "A claire benediction" und mit einem irischen Segen.