Den Frühling haben Ehrenamtliche des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) Coburg genutz, um fast 30 neue Nistkästen im Wert von über 750 Euro auf verschiedenen LBV-Flächen im Coburger Land zu installieren. Sowohl die ausgewählten Nistkastentypen als auch die Flächenauswahl kam nicht von ungefähr, denn der gemeinnützige Naturschutzverein will damit speziell die Bestände Vogelarten Wendehals und Gartenrotschwanz fördern.

Gelege mit acht bis zehn Eiern

Der Wendehals ist eine besondere kleine Specht-Art, die sich keine eigene Höhle zimmert, sondern sich allenfalls als "Nachmieter" in die vorherigen Bautätigkeiten seiner Verwandten einnisten kann. Als Charaktervogel alter Streuobstbestände nutzt der Wendehals gerne vorhandene Fäulnishöhlen im alten Baumbestand und natürlich auch geeignete geräumige Nistkästen, denn seine Gelege mit acht bis zehn Eiern brauchen entsprechend Platz. Der hier verwendete Nistkasten-Typ mit Ovalloch wird beispielsweise auf dem Lauterberg gerne von ihm angenommen. Für seinen Nistplatz-Konkurrenten, den Star, ist der Einschlupf zu klein.

Der Wendehals gilt in Bayern als vom Aussterben bedroht. Im westlichen Oberfranken hat er allerdings seinen Verbreitungsschwerpunkt im Bundesland, hier sind die Bestände stabil. Aus diesem Grund hat der LBV im Raum Coburg eine besondere Verantwortung, diese Art zu stützen, und ihr neue Lebensräume durch den Ausgleich fehlender Nistgelegenheiten zu erschließen. So installierten die LBV-Aktiven Freimut Brückner und Petra Altrichter Nistkästen am Fechheimer Berg. Im Gebiet Weinberg Mönchröden/Horeb war Thomas Herold im Einsatz und im lichten Kiefernwald bei Fornbach brachten Roland Kirchner und Julian Hauschild die Nistkästen an. Auf den dortigen Kalkmagerrasen und Extensivwiesen- und weiden ist ausreichend Nahrung vorhanden, denn Wendehals ernährt sich fast ausschließlich von bodenlebenden Ameisen.

Möglicherweise kann der LBV bereits heuer erste Erfolge verbuchen, da Wendehälse zu den spät bei uns in der Region eintreffenden Vogelarten gehören. Denn - das ist eine weitere außergewöhnliche Eigenart für Spechte - sie sind Langstreckenzieher, die südlich der Sahara überwintern. Erste Erfolge zeigen sich, LBV-Schutzgebiet Hambachgrund, das seit längerem mit Nistkästen ausgestattet ist. Hier haben sich heuer wieder zwei Wendehals-Reviere etabliert.

Der Gartenrotschwanz mag es heller

Die zweite Zielart des LBV Coburg ist der in Bayern gefährdete Gartenrotschwanz, der einiges mit dem Wendehals gemeinsam teilt: Er ist ebenfalls ein Langstreckenzieher, und er kommt oft mit ihm im gleichen Lebensraum vor - insbesondere wenn mit Streuobstbäumen ausgestattet. Nur mag er es etwas heller an seinem Nistplatz, daher hat der LBV für ihn spezielle Nischenbrüterkästen ausgewählt, die von Bernd und Urs Leuthäusser unter anderem am Beerhügel bei Cortendorf aufgehängt wurde. Hier waren in den vergangenen Jahren beide Arten nebeneinander präsent.

Weitere Flächen, von denen der LBV sich Erfolg erhofft, liegen auf den Streuobst-Grundstücken bei Weißenbrunn vorm Wald und nördlich von Oberlauter. Vielversprechende Beobachtungen machte der Naturschutzfachberater Gerhard Hübner bei der Installation eines neuen Nistkastens auf der neuen LBV-Fläche am Goldberg. Bei der Kastenausbringung am 1. Mai wurde Hübner gleich von einem aus der "Galgen-Eiche" singenden Gartenrotschwanz begrüßt. Und wenig später rief ein Wendehals aus einer nahe gelegenen jungen Streuobst-Anlage. Da für beide Arten noch Zugzeit war, bleibt abzuwarten, ob sie nun auf der Fläche bleiben. "Wir hoffen, dass die angebrachten Nistkästen sie dazu animiert haben könnten, den Lebensraum zu beziehen, anstatt weiterzuwandern", sagt der Naturschutzfachberater.

Keramik-Nistklötze für Wildbienen

Nicht nur für den Wendehals und den Gartenrotschwanz, sondern auch für die Wildbienen installierte der LBV Nistplätze. Die Hälfte der insgesamt 20 Nistklötze aus Keramik wurde bereits auf LBV-Flächen im Coburger Raum aufgehängt. "Den Rest werden wir bei Kindergruppen-Aktionen - sobald es Corona wieder erlaubt - im Hambachgrund und in unserem ,verwilderten' Garten in Bertelsdorf aufhängen." red