Eckehard Kiesewetter Kreis Haßberge —  Die Herbstferien nahen, das kältebedingte Reißen im Rücken beginnt und das Reisefieber steigt. Ab in wärmere Gefilde oder einfach raus aus dem Alltagstrott? Oder doch lieber daheimbleiben wegen Corona? Denn schneller als das Laub der Bäume färben sich die Corona-Ampeln bunt.

Fast alle Länder rings um Deutschland und immer mehr Landkreise in der Bundesrepublik gelten als Risikogebiete oder melden bedenklich steigende Infektionszahlen. Politiker raten von unnötigen Reisen ab, vorsichtshalber sollte man lieber daheimbleiben. Ein dringender Ratschlag, doch kein Gebot. Denn einen Lockdown wie im Frühjahr soll es nicht wieder geben. Letztlich ist jeder seiner Vernunft und seinem Verantwortungsbewusstsein verpflichtet - für sich und andere.

"Kein Problem" findet eine Gruppe von Feriengästen, die gerade mit ihren Wohnmobilen Station in Ebern machen. "Wir verfolgen die Corona-Entwicklung aufmerksam", erzählt ein Rentner aus Schwaben. Er und seine Frau fühlen sich unterwegs genau so sicher oder unsicher vor dem Virus wie daheim: "Im Norden, wo wir zuletzt waren, war gar nichts. Daheim im Landkreis Tübingen hat's grade einen Hotspot." Hier in den Haßbergen steht die Corona-Ampel seit Montag auf Gelb. In der Konsequenz bleibt die Dusche am Stellplatz seit Wochenbeginn für die Wohnmobilisten gesperrt. Sonst aber hat sich für Urlaubsgäste nichts geändert bei ihrem schon zur Gewohnheit gewordenen Abstecher nach Ebern.

Dort treffen sich die Eheleute bereits zum dritten Mal mit zwei anderen Paaren, eines ebenfalls aus Baden-Württemberg; das andere sogar aus der Schweiz. Corona und die Maskenpflicht gibt es überall, in den Schweizer Alpen genauso wie in den Haßbergen. Und weil die Eheleute ohnehin "immer Ferien" haben, würde es ihnen auch nichts ausmachen, falls sie nach ihrer Heimkehr für ein paar Tage in Quarantäne gehen müssten.

Raus ins Grüne

"Wir gehen viel spazieren, sind draußen in der Natur und wohnen in unseren Mobilen", sagt eine der Seniorinnen: "Hier am Platz sind wir unter uns."

Eingekauft wird nur das Nötigste, natürlich mit Masken, "und groß essen gehen wir nicht". Gekocht wird im Wohnmobil. So kommt die Gruppe relativ wenig mit anderen Menschen in Berührung und fühlt sich Virus-sicher. Die größte Ansteckungsgefahr geht nach Überzeugung der reiselustigen Ruheständler ohnedies von jungen Leuten aus, die Partys feiern und nach ein paar alkoholischen Getränken leichtsinnig werden. "Wenn man die Regeln beachtet, aufeinander Rücksicht nimmt", befindet einer der weißhaarigen Männer, "dann kommt man zurecht, egal wo man sich grad aufhält."

Am heutigen Mittwoch übrigens werden die Sechs dann doch ausgehen, zum gemeinsamen Essen im "Stadl", denn dann gibt es doppelten Grund zum Feiern. Zwei der Herren haben Geburtstag. Zusammen, so viel verraten sie dem Reporter mit Grinsen unter der Maske, werden sie 157 Jahre alt.