Hunde als Haustiere sind in Deutschland schon lange beliebt. Derzeit gibt es in Deutschland rund 11,8 Millionen von ihnen, damit ist ist der Vierbeiner hierzulande das zweitbeliebteste Tier nach den Katzen. Sabine Karl-Kraus, die in Adelsdorf eine Hundeschule betreibt, klärt im Gespräch über viele tierische Fragen auf.

Muss ein "Hundelehrer" eine Qualifizierung vorweisen oder darf jeder eine Hundeschule eröffnen?

Sabine Karl-Kraus: In Deutschland muss man seit Sommer 2014 die Erlaubnispflicht nach § 11 Abs. 1 Nr. 8 (f) TierSchG beachten. §11 besagt, dass jeder, der für andere Hunde ausbildet oder die Ausbildung von Hunden anleitet, einer behördlichen Genehmigung bedarf. Dazu gehören ein Sachkundenachweis, ein Fachgespräch und eine praktische Prüfung vorab und eine Kontrolle der Ausbildungsstätte durch das Veterinäramt.

Was sind die Aufgaben und das Ziel einer Hundeschule?

Heute werden die meisten unserer Hunde als vollwertige Familienmitglieder verstanden. Der Hund soll mit in den Urlaub fahren, mit in die Pizzeria gehen und mehr. Das ist schön für Mensch und Tier, aber nur, wenn der Hund gelernt hat, sich zu benehmen! Wir alle wünschen uns einen freundlichen, offenen Familienhund, der niemanden belästigt oder anpöbelt. Er soll ohne zu ziehen an der Leine laufen und sofort kommen, wenn man ihn ruft.

Das Ziel der Hundeschule ist es auf der einen Seite, dass der Mensch mit seinem Hund glücklich wird und das Tier eine Bereicherung darstellt, dass aber auf der anderen Seite der Hund ein artgerechtes Leben führen kann. Das heißt, man sollte den Hund körperlich und geistig auslasten und ihm viele Möglichkeiten zur sozialen Interaktion mit Artgenossen geben und ihn dann auch noch rassespezifisch fördern und fordern. Die Aufgaben der Hundeschule sind Vermittlung von Wissen, den Hundehalter bei der Erziehung seines Hundes zu unterstützen und sein Verhältnis zu seinem Hund zu intensivieren und zu festigen, aber auch Hilfestellung bei speziellen Verhaltensproblemen zu leisten, Erziehungsgebote, Hundeführerschein, Auslastungsmöglichkeiten aufzuzeigen und gegebenenfalls auch anzubieten.

Sollte jeder Hund eine Hundeschule absolvieren und wie ist hier der Hundehalter gefordert?

Ja, sobald der Hund sich beim Hundehalter eingelebt hat, würde ich mit einer Hundeschule beginnen. Hierbei sind 90 Prozent des Hundetrainings an die Adresse des Hundehalters gerichtet.

Wann darf ich einen Hund zum Beispiel auf den Aischwiesen frei herumlaufen lassen?

In Adelsdorf gibt es genaue Pläne, wo der Hund von der Leinenpflicht befreit ist und wo nicht. Diese Vorgaben kann jeder bei seiner Gemeinde erfragen. Auf diesen Freilaufwegen darf der Hund ohne Leine laufen, solange er gut abrufbar ist. Das heißt aber nicht, dass er quer über die Felder und Wiesen rennen und machen darf, was er will. Gerade innerhalb der Brut- und Setzzeit sollten alle Hundebesitzer ihren gesunden Menschenverstand einsetzen und mit Rücksicht auf unsere Wildtiere die Hunde auch im Freilauf nicht in die Fluren lassen, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sich dort Jungtiere befinden.

Außerdem sollten wir Verständnis für unsere Landwirte haben, die sich nicht über niedergetrampelte Wiesen kurz vor der Mahd freuen oder über den Kothaufen mitten in der Wiese, der dann das Heu und die Maschinen verunreinigt. Hier werden Lebens- oder Futtermittel erzeugt und gerade zur Erntezeit sorgt der Hundekot für Probleme: Dieser gelangt ins Heu oder in die Silage und landet zum Schluss in den Futtertrögen der Rinder. Er enthält Bakterien, Viren, Parasiten und Würmer, die vor allem für Kinder gefährlich sind.

Hat ein Hund ein Wildtier oder sogar einen Menschen gebissen, was ist zu tun?

Es gibt völlig unterschiedliche Auslöser beim Hund und je nach Ursache und Motivation muss man unterschiedlich an dieses Problem herangehen. Es kann Angst, Unsicherheit, Dominanz sein, aber auch Ressourcenverteidigung, territoriale Aggression, sozial motivierte Aggression oder eine schmerzbedingte Aggression sein. Manchmal werden auch kleine Hunde aus einem fehl gerichteten Beutefangverhalten angegriffen. Kein Hund beißt von Null auf Hundert!

Verletzt ein Hund ein anderes Tier, ist es meistens Jagdverhalten. Diese Probleme vergehen nicht von selbst und meistens sind die Hundehalter allein damit überfordert. Als Soforthilfe kann der Hund erst einmal an einen Maulkorb gewöhnt werden, sodass zumindest niemand mehr verletzt wird und zu Schaden kommt.

Was ist in Coronazeiten zu beachten?

Da Hunde das Coronavirus nicht übertragen, sind nur die üblichen Hygienemaßnahmen zu anderen Hundehaltern zu beachten, vor allem sind natürlich die Abstandsregeln einzuhalten. Bei Welpen, die am Anfang der Corona-Quarantäne in ihre Familien gekommen sind, habe ich jetzt vermehrt Unsicherheiten und dadurch bedingte Aggression gegenüber fremden Menschen und Hunden bemerkt. Vor allem dann, wenn die Hundebesitzer nur wenig Kontakt mit anderen Menschen und Hunden hatten.

Es gibt ab der achten Lebenswoche bei Hunden die wichtige Sozialisierungsphase auf ihre Umwelt. Diese geht maximal bis zur 16. Woche. Alles, was der Welpe in dieser Zeit lernt, hört, riecht, spürt, fühlt und sieht, ist für ihn später normal, solange er damit keine schlechte Erfahrung gemacht hat. Das fehlt den Corona-Welpen jetzt natürlich und man muss sich bemühen, das wieder aufzuholen, was wesentlich aufwendiger und schwieriger ist. Man sollte sobald als möglich damit beginnen. Das Gespräch führte Johanna Blum.