Nach rund achtmonatiger Prozessdauer sind im Salmünsterer Schießerei-Prozess vor dem Landgericht Hanau die Urteile gefallen. Gegen alle drei Angeklagten wurden Haftstrafen verhängt, in zwei Fällen allerdings zur Bewährung.

Das Schwurgericht am Landgericht Hanau unter Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel verurteilte den 28-jährigen Hauptangeklagten und mutmaßlichen Schützen aus Gelnhausen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren, den 25-jährigen Linsengerichter, der als Fahrer fungierte, zu 20 Monaten und den 31-Jährigen aus Gelnhausen zu 18 Monaten. Die beiden letztgenannten Sanktionen werden für jeweils drei Jahre zu Bewährung ausgesetzt. Außerdem müssen diese beiden jeweils 250 Sozialstunden leisten. Der Haupttäter wird wegen seiner Drogensucht in eine Entziehungsanstalt eingewiesen.

Der Prozess sei nach Ansicht von Wetzel bis zum Schluss herausfordernd gewesen. Trotz 24 Verhandlungstagen sei es nicht möglich gewesen, das Geschehen zufriedenstellend aufzuklären, weil in den Aussagen - auch von Zeugen - gelogen wurde.

In dem Prozess ging es um eine Auseinandersetzung der drei Verurteilten mit einer Gruppe aus Bad Neustadt. Hintergrund war eine Schuld in Höhe von 4000 Euro, die ein 26-jähriger Kurstädter bei dem 25-Jährigen hatte. Um die Forderung einzutreiben, plante das Trio, ihm eine Lektion zu erteilen. Alle Männer kannten sich wegen gemeinschaftlicher Drogengeschäfte beziehungsweise Drogenkonsums.

An Pfosten gefesselt

Am 5. Juni 2020 holten sie den Mann aus Bad Soden-Salmünster unter einem Vorwand zu Hause ab und fuhren ihn in eine Hütte im Heegwald zwischen Bad Soden und Romsthal. Dort fesselten sie ihn an einen Pfosten und schlugen ihn. Als die drei zwischendurch zu einer Tankstelle fuhren, gelang es dem 26-Jährigen, sich zu befreien und zu flüchten.

Da damit die Sache mit der offenen Forderung nicht geklärt war, verabredeten sich die Beteiligten für den Folgetag zu einem klärenden Gespräch in Salmünster. Als das Trio auftauchte, war der Mann mit "personeller Verstärkung" aus Bad Neustadt angerückt. Knapp zehn Personen fuhren in drei Autos vor, um laut Wetzel eine Drohkulisse aufzubauen.

Als das Trio die Übermacht erkannte, zog es sich zurück, um die halbautomatische Waffe des 28-Jährigen aus einem Versteck zu holen. Bei einer zweiten Begegnung kurz danach in der Dr.-Richard-Küch-Straße kam es dann zum "Showdown", als die drei mit ihrem Auto an der gegnerischen Gruppe vorbeifuhren. Der mutmaßliche Haupttäter schoss dabei zweimal auf die anderen. Ein Schuss landete im Radkasten eines Neustädter Autos, der andere im Kühlergrill. Einer davon streifte auch einen 22-Jährigen aus der fränkischen Gruppe an einem Finger.

Der Verteidiger des Schützen wollte darin keine Tötungsabsicht erkennen. Richterin Wetzel sah das anders. Wenn ein ungeübter Schütze mit einer halbautomatischen Waffe, auf der Fensterkante eines Autos sitzend, bei holpriger Fahrt herumballere, dann sei es nur dem Zufall geschuldet, dass niemand verletzt worden sei.

Die Tat in der Schutzhütte wertete das Gericht als versuchte räuberische Erpressung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung, die Schüsse als versuchten Totschlag. Beim Haupttäter kam hinzu, dass er schon unter Bewährung stand. Der 31-Jährige wurde für die Schießerei freigesprochen, weil er zwar vor Ort war, allerdings wegen Alkohol- und Drogenkonsums "zugedröhnt", so das Gericht. Alle drei hatten zumindest Teilgeständnisse abgelegt und sich bei dem 26-Jährigen entschuldigt. ls