Braucht Herzogenaurach einen Integrationsbeirat? Dies war Thema einer Informationsveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen in der HerzoBar. Dazu hatten die Grünen aus Erlangen die Vorsitzende des Ausländerbeirates, Lütfie Yaver, sowie Till Fichtner, den Geschäftsführer dieses drittältesten Ausländerbeirates in der Bundesrepublik (gegründet 1974) eingeladen.
Beide machten schon zu Beginn ihrer Ausführungen klar: Wer einen Integrations- oder Migrationsbeirat will, der muss auch einen Geschäftsführer bezahlen. Das Gremium, das etwas zeitlich versetzt parallel zum Stadtrat und für die gleiche Periode von sechs Jahren gewählt wird, setzt sich aus ehrenamtlich gewählten Mitgliedern der verschiedenen Migrantengruppen zusammen und arbeitet ähnlich einem Stadtrat.
Dabei beschäftigt sich der Beirat mit Bereichen wie Politik, Bildung, Arbeit und Kultur sowie Soziales und Öffentlichkeit. Die Sprecher der Arbeitskreise bilden mit der Geschäftsführung und dem Vorstand das Führungsgremium. Da das Büro des Migrationsbeauftragten in Erlangen direkt dem Bürgermeisteramt angegliedert ist, können Anregungen schnell in Stadt-ratsanträge umgesetzt werden.


Komplizierte Formulare

Auf Initiative des Beirats in Erlangen geht zum Beispiel eine Deutschoffensive zurück, wobei Mütter in Kindergärten angesprochen wurden, am Vormittag Deutschkurse zu besuchen, während die Kinder im Kindergarten betreut werden. Man hatte nämlich festgestellt, dass in Erlangen 50 Prozent der Kinder zu Hause nicht Deutsch sprechen. Es gibt auch eine Sprechstunde, bei der Bürger direkt ihre Anliegen vorbringen können.
Als Frage stand über dem Abend ja: "Braucht Herzogenaurach einen Integrationsbeirat? Reicht es nicht, die vorhandenen Vereine darauf anzusprechen, auch Bürger mit Migrationshintergrund zu integrieren?" Im zweiten Teil der Veranstaltung äußerten dann in Herzogenaurach lebende Mitbürger, wo sie schon oft Hilfe gebraucht hätten. Eine seit kurzem eingebürgerte Frau sagte: "Ich bin jetzt 42 Jahre alt und habe in meinem Leben noch nie gewählt." Ein anderer Migrant aus Herzogenaurach meinte, er sei von Behörden behandelt worden wie ein Mensch zweiter Klasse und bekam beim Ausfüllen von Formularen auch nahezu keine Unterstützung. "Ich habe hier gearbeitet, 42 Jahre lang, und habe in die Rente einbezahlt, aber wenn ich könnte, würde ich darauf verzichten, weil mir die Anträge so schwerfallen", ergänzte er.
"Wie können wir diese Situation der ausländischen Mitbürger in Herzogenaurach verbessern, wie können wir auch die anerkannten Asylsuchenden weiterhin gut in unsere Gesellschaft aufnehmen?", fragte Uschi Schmidt, Vorsitzende des Ortsverbandes der Grünen. Um diese Ziele zu erreichen, hat sich die Initiative für Integration und Migration in Herzogenaurach gegründet, deren harter Kern aus fünf Personen besteht. "Aber es können sich noch weitere Interessierte melden, unter der E-Mail-Adresse herzo-intemi@web.de ist die Gruppe zu erreichen", erklärte Uschi Schmidt.
Die Vorsitzende des SPD-Ortsverbandes, Renate Schroff, und Bürgermeister German Hacker (SPD) sehen hingegen den Bedarf für einen solchen Beirat nicht unbedingt gegeben. "Sowohl in der SPD-Stadtratsfraktion als auch im Ortsverein haben wir über dieses Anliegen gesprochen. Mehrheitlich sind wir der Meinung, dass bei uns in Herzogenaurach die Integration von Neubürgern aus dem In- und Ausland vorbildlich funktioniert", erklärte Renate Schroff auf Nachfrage dazu. Es seien keine schwerwiegenden Probleme in dieser Hinsicht bekannt.
Die Betriebe selbst unterstützen neu zugezogene Mitarbeiter zum Beispiel bei der Wohnungssuche und versorgen sie mit den erforderlichen Informationen. Vereine, Institutionen, die Stadt, der Landkreis und nicht zuletzt die einheimischen Mitbürger würden die Neubürger nach Kräften unterstützen. "Die Zweisprachigkeit, auch zum Beispiel bei Herzo TV, ist in Herzogenaurach schon lange Normalität, und über diese weltoffene Haltung in unserer Stadt sind wir sehr stolz", erklärte die Ortsvorsitzende. Sollte aber der Ruf nach einem Integrationsbeirat lauter werden, der sich ehrenamtlich um die Belange von in- und ausländischen Neubürgern kümmert, würde sich die SPD diesem Anliegen selbstverständlich nicht verschließen.


Weltoffen aus Tradition

Bürgermeister Hacker hält einen solchen Beirat für nicht nötig und angezeigt. "Im Gegenteil, ich halte es sogar für ein positives Merkmal, dass Herzogenaurach aufgrund seiner besonderen Situation (Wirtschaftsstärke und die große Zahl an Arbeitsplätzen) Integration stets in hervorragender Weise als etwas völlig Normales und ständig Stattfindendes angesehen hat", sagt der Bürgermeister dazu.
So habe die Stadt Herzogenaurach seit der Nachkriegszeit Tausende von Menschen aus verschiedenen Nationen aufgenommen und stets davon profitiert. Das Zusammenleben sei problemlos. "Die Stadtverwaltung hilft jedem, völlig egal, wo er oder sie herkommt, und wir sind zweisprachig aufgestellt", hob der Bürgermeister hervor. Darüber hinaus müsse man anmerken, dass Herzogenaurach (nicht wie die kreisfreien Städte Erlangen, Fürth, Nürnberg) kreisangehörig ist und die Aufgabe "Ausländerwesen" beim Landratsamt, nicht bei der Stadt angesiedelt ist. Das sei ein wesentlicher Unterschied.