"Meer bei Nacht", der preisgekrönte Kurzfilm der Wonfurter Regisseurin Kim Fabienne Hertinger, wurde im Capitol-Theater in Zeil vor kurzem nun auch in der Heimatregion der 29-Jährigen gezeigt.

Zusammen mit dem ebenfalls aus Wonfurt stammenden Diplom-Musiker Jonas Göbel, der die Filmmusik schrieb, und dem Hauptdarsteller Peter Kotthaus dankte Hertinger besonders Bruno Schneyer für die Gelegenheit, den Film in seinem Kino zu präsentieren. Zwei ausverkaufte Vorstellungen untermauerten den Erfolg des Werkes.

Folgen der Alkoholsucht

Der 26-minütige Film erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen Alkoholsucht ihm jegliche Form der Selbstbestimmung, Ansehen und sozialen Rückhalt genommen hat. Er leidet an der seltenen Demenzform Korsakow-Syndrom, dessen häufigste Ursache ein jahrelanger Alkoholmissbrauch ist.

Auf über 50 Festivals gewann "Meer bei Nacht" knapp 30 Preise. Kim F. Hertinger zeigte sich darüber sehr stolz bei ihrem kleinen Vortrag über die Entstehungsgeschichte und beantwortete Fragen aus dem Publikum. Unter anderem bei den Independent Shorts Awards in Hollywood gab es eine Auszeichnung für die beste weibliche Regie des Jahres 2018/19 und einen Award für die beste Filmmusik des Monats Dezember 2018. Zuschauer in Indien, Hongkong und Italien seien gleichermaßen begeistert gewesen, erzählte die Regisseurin. Sogar am Nordpol, im nördlichsten Kino der Welt, wurde der Film gezeigt.

Jonas Göbel, mehrfach preisgekrönter Musiker und Komponist, gefielen das Konzept und die Emotionalität der Aussage so sehr, dass er noch vor den Filmaufnahmen mit dem rund 30-köpfigen Team damals anfing, ein Thema zu komponieren. Klavier, Schlagzeug, Streicher und sphärische Klänge sind in der Filmmusik wesentliche Bestandteile. Davon überzeugen konnten sich die Zuschauer im Kino nach dem Film, als Göbel seine Stücke live performte.

Erfahrener Schauspieler

Hauptdarsteller Peter Kotthaus, der seit fast 30 Jahren auf der Bühne steht und auch schon in TV-Serien wie "Verbotene Liebe" oder "Unter uns" mitwirkte, wurde über eine Casting-Plattform auf das Vorhaben von Kim F. Hertinger aufmerksam. Er lobte die exzellente Schauspielführung der jungen Frau. Manchmal habe man eine halbe Stunde diskutiert, um das beste Ergebnis zu erzielen.

Großer Wert wurde auf eine originalgetreue Abbildung der Krankheit gelegt. Kotthaus erzählte, dass er aus Videofilmen extra dafür gelernt habe, im "Storchengang" zu gehen, der ein typisches Merkmal des Korsakow-Syndroms ist. Nachdem alles im Kasten war, war Kotthaus so sehr von den Aufnahmen überzeugt, dass er seinerzeit meinte: "Nur der Schnitt kann uns das noch versauen, aber das ist recht unwahrscheinlich."

Auch Landtagsabgeordneter Steffen Vogel war neugierig auf "Meer bei Nacht" und zeigte sich sehr fasziniert nach dem Kinoerlebnis: "Das ist eine großartige Leistung, was hier Kim Hertinger zusammen mit Jonas Göbel und Peter Kotthaus auf die Beine gestellt hat."

Zum Abschluss des Abends gab es noch eine After-Show-Party, bei der die Band "Medici Twin Tub" aus Würzburg Rock- und Pophits zum Besten gab.