In der Helios-Frankenwaldklinik Kronach arbeiten insgesamt weit über 600 Menschen für die Gesundheitsversorgung in der Region. Fester Teil der modernen Medizin ist die Röntgendiagnostik. Der Blick ins Innere des Körpers hat seit Entdeckung der Röntgenstrahlen die Behandlung von Krankheiten und Verletzungen revolutioniert. Auf einmal waren die Leiden klar und deutlich sichtbar. Seither wurde die Technik immer weiter verfeinert, bis hin zu den modernen, computergestützten Verfahren. Wie sieht die Tätigkeit in der Radiologie aus, wer arbeitet hier und was bringt der Beruf in der Corona-Zeit mit sich? Diese und mehr Fragen beantworten uns unsere Gesprächspartner Tina Kemah, leitende MTA, Kirsten Burkert-Hasse, MTRA, Robert Unglaub, MTRA, und Rita Köstner, MTRA.

In der Frankenwaldklinik wird ja "klassisches" Röntgen angeboten, CT, MRT, Mammographie, Angiographie, außerdem radiologisch unterstützte Eingriffe. Ihre Abteilung ist also an verschiedensten Stellen in die Behandlung eingebunden. In welchen Phasen bekommen Sie die Patienten dabei zu sehen?

Tina Kemah: Eigentlich in jeder. Direkt, wenn sie von der Notaufnahme hereinkommen, sind wir die zweite Anlaufstelle. Fast jeder internistische Patient bekommt ein Thorax-Röntgen, CTs haben wir ganz viele direkt von der Notaufnahme. Dazu kommen die Kontrollen von Station, auch wenn es z.B. einem Patienten schlecht geht. Bei Bauchschmerzen oder ähnlichen Fragestellungen machen wir dann etwa ein Abdomen-CT.

Robert Unglaub: Die meisten Fachabteilungen könnten ohne Radiologie nicht mehr viel machen. Die Röntgenabteilung ist die zentrale Diagnostikeinheit im Krankenhaus. Hätten wir einen Corona-Verdachtsfall hier und müssten herunterfahren, bis das Ergebnis da ist, müsste die Klinik abmelden. Jeder Patient, der einfach nur sein Handgelenk geröntgt bekommen müsste, müsste nach Coburg, Kulmbach, Lichtenfels weitergefahren werden.

Stichwort "Corona": Da sind Sie ja auch in die Diagnostik eng eingebunden?

Kirsten Burkert-Hasse: Um einschätzen zu können, wie sich die Krankheit entwickelt, ist das Mittel der Wahl ein CT der Lunge. Der Patient wird uns von der Teststelle angemeldet, wir ziehen uns um. Wenn dann der Patient vom Rettungsdienst gebracht wird, wird der direkt ohne weitere Berührpunkte zu uns durchgefahren. Von uns geht der Patient dann direkt weiter auf die Isolier- oder Intensivstation.

Tina Kemah: In der Zeit nach dem CT sind wir - oder wir gemeinsam mit dem diensthabenden Internisten - dann meist mit dem Patienten alleine, bis er im Vollschutz abgeholt und auf Station gebracht wird.

Rita Köstner: Später muss auch der Verlauf oft kontrolliert werden. Die Patienten kommen dann wieder zu uns oder wir röntgen sie auf der Intensivstation, wenn sie beatmet sind. Und oft bei der Entlassung wird in der Regel auch die Lunge nochmal kontrolliert, wie sich alles entwickelt hat. Wir sind eigentlich immer involviert, definitiv.

Kommen die Patienten denn "sortiert" zu Ihnen, so dass Sie sich nicht mehrfach die Schutzkleidung an- und ausziehen müssen?

Kirsten Burkert-Hasse: Nein, die kommen bunt durcheinander. Das heißt, wir müssen jeden Patienten als potenziellen Covid-Überträger behandeln.

Tina Kemah: Angemeldete Infektionspatienten von Station können wir planen, aber alles, was von außen kommt, lässt sich nicht planen.

Wie kann man sich Ihre übliche Schutzkleidung und die Schutzmaßnahmen vorstellen?

Robert Unglaub: Der Raum wird leer gemacht, soweit das möglich ist. Alles, was raus kann, geht raus. Vorbereitungswagen, Materialien usw.. Der Raum ist leer, abgesehen vom CT und den anderen fest verbauten Einrichtungen. Dann wird sich angezogen: Doppelte Handschuhe, Schutzmantel, FFP2-Maske, Gesichtsschutz, Haube...

Sie haben zum Patienten sehr engen Kontakt, stehen nicht nur hinter einer Glaswand und drücken Knöpfe. Gab es denn schon in Ihrem Team den Fall, dass sich eine Kollegin oder ein Kollege auf Corona testen lassen musste?

Tina Kemah: Gott sei Dank nicht. Wir hatten in der Abteilung noch keinen Fall, auch keinen Verdachtsfall.

Rita Köstner: Wir schützen uns alle gut!

Stichwort "Anerkennung": Ärzte, Pflegekräfte, Supermarktverkäufer...die standen ja seit Corona alle im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Schild "Vielen Dank, Radiologie!" habe ich aber noch nicht gesehen. Wie geht es Ihnen dabei?

RU: Wenn jemand ins Krankenhaus geht, sind das im Zweifelsfall für ihn alles Ärzte oder Schwestern. Da gibt es keine Operationstechnische oder Medizinische Fachkraft, da gibt es keine Röntgenassistenten, keine OP-Schwestern.

Rita Köstner: Dazu kommt noch, dass wir häufig die Stelle sind, bei der die Patienten mit Schmerzen warten müssen.

Robert Unglaub: Vor allem, wenn sie nach einem Sturz "nur" eine Schwellung am Handgelenk haben und dann zwanzig Minuten vor unserem Eingang sitzen, weil wir drin noch ein Schädel-CT fahren. Sie haben Schmerzen und sehen nicht, was wir hinter verschlossenen Türen tun. Dann müssen wir für die Aufnahme den Arm vielleicht noch umlagern und das macht wieder Schmerzen. Nach alldem kommen die Patienten zurück zu den Schwestern, die dann endlich was gegen die Schmerzen machen. Da kommen wir im Vergleich einfach nicht gut weg.

Sie fühlen sich also von der Öffentlichkeit erst dann wahrgenommen, wenn sie wirklich bei Ihnen zur Untersuchung sind? Vorher ist da eher den Eindruck, dass da eben "ein Röntgengerät steht"?

Rita Köstner:...wo jemand den Knopf drückt.

Tina Kemah: Das geht ja noch viel weiter. Wir fühlen uns auch von der Politik nicht wirklich wahrgenommen. Wir hier im Röntgen sind nicht beim bayerischen "Corona-Pflegebonus" berücksichtigt, unabhängig davon, dass wir täglich direkt am Patienten arbeiten.

Wer ist da alles dabei?

Tina Kemah: Krankenpfleger und -schwestern, Rettungssanitäter, Heilpädagogen, Physio- und Ergotherapeuten,...

Robert Unglaub: Auch jemand mit einer pflegewissenschaftlichen Ausbildung kann den Bonus beantragen.

Tina Kemah: Teilweise bekommen Leute den Bonus zugesprochen, die noch nie Kontakt zu Corona-Patienten hatten. Wir hingegen stehen tagtäglich an vorderster Front. Ohne die Radiologie gibt es keine Corona-Diagnosen.

Das Gespräch (hier in Auszügen) führte Stefan Studtrucker, Referent für Unternehmenskommunikation an der Helios Frankenwaldklinik Kronach.