von unserem Mitarbeiter Ralf Naumann

Goßmannsdorf — Was spricht Kinder und Jugendliche vor den Sommerferien am meisten an? Erholung - besser gesagt "Chillen", Spaß, Grillen, mit Freunden abhängen, Action, Party ... Einen Vorgeschmack auf all das gab es am Freitagabend am und auch im Badesee bei Goßmannsdorf.
Mit dem Sommerfestival "Sehnsucht nach Meer" trafen die Organisatoren, darunter das "Wiesig-Paradiesig"-Team aus Hofheim, den Nerv der jugendlichen Besucher. Es war all das vorhanden, was eine gute Party ausmacht: Mit "Mindbranding" und "Coleslaw" kümmerten sich zwei einheimische Nachwuchsbands um die musikalische Stimmung, ein Grillstand lockte mit leckeren Bratwürsten und Steaks, eine mobile Eisdiele sorgte für innere Abkühlung und Chill-Stationen boten Plätze zum Ausspannen.

Viele Fragen im Kopf

Auf der anderen Seite gingen Mitglieder des "Wiesig-Paradiesig"-Teams, die sich vor einem Jahr um die Jugendkirche in Hofheim kümmerten, mit nachdenklichen Impulsen Fragen nach, "was gerade so in den Köpfen der Jugendlichen vorgeht", sagte Anna Köder.
Etwa: Was passiert nach der Schule? Was soll ich als erstes machen? Den Führerschein, ein Freiwilliges Soziales Jahr? Muss ich für ein Studium umziehen? Habe ich noch Zeit für Hobbys? "Da geht einiges drunter und drüber", weiß die 17-Jährige aus Reckertshausen, die selbst in einem Jahr ihr Abitur machen will. "Darauf wollen wir Antworten geben."
Für Anna Köder war "Sehnsucht nach Meer" genau der richtige Titel, "denn ich will im Sommer frei sein". Der Goßmannsdorfer See, der anlässlich der BDKJ "72-Stunden-Aktion" im Juni 2013 auf Vordermann gebracht worden war, war genau der richtige Ort für das Event. Auch Niclas Krug gefiel die kostenlose Veranstaltung. "Es ist eine super Möglichkeit, andere Leute kennenzulernen", meint der 14-jährige Gymnasiast aus dem Haßfurter Stadtteil Römershofen, der zusammen mit Bruder Bastian den Freunden Alexander Heller sowie Ben Schluckebier in erster Linie zum Baden gekommen war. Sein Fazit: "So etwas könnte ruhig öfters sein."

Da ist noch mehr

Gerade die Impulse und Geschichten von Regionaljugendseelsorger Matthias Vetter (Haßfurt) zu den Themen "Aufbrechen" oder "Unterwegs sein" gefielen Eva Krieger (12) aus Knetzgau: "Ein Gottesdienst läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Das hier ist mal was anderes."
Anna Reinhart aus Sylbach war vor allem vom Ambiente begeistert. "Der See und die vielen Stationen, einfach cool", meinte sie. Die Aktion "Sehnsucht nach Meer" war mit knapp 150 Jugendlichen und jungen Erwachsenen relativ gut besucht. Dennoch schlug Michael Schneider fast schon besorgte Töne an.
Seit neun Jahren sei er Bildungsreferent bei der Katholischen Landjugendbewegung in Würzburg und damit zuständig für das Projekt der Diözese "Land.Jugend.Kirche". Allein während dieser Zeit stoßen die kirchlichen Angebote auf immer weniger Resonanz. "50 Leute - mit mehr kalkulieren wir schon gar nicht", sagte der 34-Jährige und fügte hinzu: "Wir sind nur noch eine Nische."
Trotz seiner Sorge um den Nachwuchs der Kirche war es kein Wunder, dass er und die anderen Organisatoren von "Sehnsucht nach Meer" am Freitagabend gut gelaunt über das Festivalgelände liefen - schließlich waren die weit über 50 Teilnehmer durchweg begeistert.