Niklas Schmitt Natürlich sinkt die Stimmung, wenn der Sommer mit all seinen Gemütlichkeiten und Vorzügen langsam schwindet und der Herbst Einzug hält in den Lauf der Jahreszeiten. Die Tage werden kürzer und draußen wird es kalt und kälter. Da hält man sich lieber bei einer guten Tasse Tee im gemütlichen Wohnzimmer auf.

Aber der Wechsel von Sommer zu Herbst kann auch gesundheitliche Folgen haben. Der sogenannte Herbstblues ist keine Kleinigkeit. Ärzte sprechen von einer saisonal-affektiven Störung. Es handelt sich dabei also nicht um eine Depression. Dennoch sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn die Verstimmung mehr als zwei Wochen andauert. Treten die Symptome bereits im zweiten Jahr auf, kann es sich dabei um eine Art der depressiven Verstimmung handeln.Die ist jedoch zu unterscheiden von dem leichten Stimmungstief beim Wechsel zur dunklen Jahreszeit. Deswegen muss man nicht zwangsläufig zum Arzt. Mit etwas Aufmerksamkeit kann man vermeiden, in das anstehende emotionale Loch zu fallen.

Mittel gegen den Herbstblues

Weil die Tage kürzer werden, bekommt man gewöhnlich auch weniger Licht ab als im Sommer. Deswegen produziert der Körper weniger Serotonin. Der Botenstoff ist zuständig für Stimmung, Antrieb, Emotionen und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Fehlt er, sinkt die Stimmung und steigt die Müdigkeit. Das heißt, will man nicht in ein Stimmungstief fallen, sollte man versuchen, etwa eine halbe Stunde am Tag in die Sonne zu gehen, um sich die tägliche Dosis Tageslicht abzuholen.

Macht man das nicht und hält sich während der ohnehin dunklen Jahreszeit viel innen auf, produziert der Körper viel Melatonin, das in der Nacht für einen guten Schlaf sorgt. Bekommt der Körper zu wenig Licht, wird das Hormon auch am Tag produziert und macht müde und träge. Durch das fehlende Licht wird die innere Uhr durcheinander gebracht, die dem Menschen etwa sagt, wann es Zeit fürs Bett ist.Das heißt, der Griff zum Kaffee kann kurzzeitig helfen, nachhaltig ist es sinnvoller, raus an die frische Luft - die auch für einen Serotoninanstieg sorgt - und vor allem ans Licht zu gehen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der Tag gerade typisch herbstlich verhangen ist. Die notwendige Dosis bekommt man so auch.

Der sogenannte Herbstblues äußert sich in teilweise verschiedenen Symptomen wie eine Depression. Statt schlecht einzuschlafen ist der Betroffene eher müde und träge. Und anstelle von Appetitlosigkeit tritt nicht selten Heißhunger auf, gerne auch auf Süßigkeiten.

Weitere Anzeichen für den Herbstblues sind sinkende Kreativität, eine negative Grundhaltung, Lustlosigkeit sowie soziale Abschirmung. Halten diese Symptome zwei Wochen dauerhaft an, ist es angebracht, einen Arzt aufzusuchen.

Gegen die Verstimmung im Herbst kann man aber auch selbst vorgehen. Neben regelmäßigen Spaziergängen ist Sporttreiben sinnvoll. Nicht zu vernachlässigen in der dunklen Jahreszeit, in der man es sich gerne zu Hause vor den Kamin oder Fernseher gemütlich macht, ist die Pflege von sozialen Kontakten. Beachtet man diese Hinweise, kommen die meisten gut durch Herbst und Winter. Aber nicht jeder geht gleich mit den kürzer werdenden Tagen um. Nach einer Vermutung des amerikanischen Psychiaters Michael Young, spielt nicht nur die genetische Disposition eine Rolle, sondern auch die persönliche Einstellung. Neigt man dazu, sich zurückzuziehen, weniger Antrieb zu haben oder manches Tief auch mal schwerer zu nehmen, steigt die Wahrscheinlichkeit, im Herbst in ein Stimmungsloch zu fallen.

Es gilt also, aufmerksam zu sein, wenn der Herbst kommt. Licht, Luft und Leute helfen einem dabei, die Stimmung schön hoch zu halten und sich nicht von dem trüben Wetter unterkriegen zu lassen. Denn eines, das sind dem Herbst und Winter auch in diesem Jahr gewiss, an deren Ende wartet der Frühling mit den ihm entsprechenden Gefühlen und wiedererweckten Lebensgeistern.