von unserem Mitarbeiter 
Manfred Wagner

Haßfurt — So etwas fliegt über kurz oder lang immer auf: Von September 2011 bis November 2012 fälschte ein einschlägig vorbestrafter Mann (37 Jahre) acht Mal die Unterschrift von angeblichen Kunden und kassierte dafür die Provisionen eines Kommunikationsunternehmens. Wegen Betrugs in acht Fällen in Tateinheit mit Urkundenfälschung verurteilte ihn das Amtsgericht in Haßfurt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.
Als Vermittler von Mobilfunkverträgen war der Angeklagte aus dem Kreis Haßberge selbstständig tätig. Wie in solchen Fällen üblich, erhielt er kein festes Gehalt, sondern eine erfolgsabhängige Provision für die von ihm abgeschlossenen Handy-Verträge. Um seinen Lohn quasi "aufzubessern", ließ sich der Verkaufsagent zu den Betrügereien hinreißen. Ob er die Knete brauchte, weil er finanziell in der Klemme war oder das Geld nur auf den Putz hauen wollte, weiß nur er allein.
In allen Fällen war dabei die Betrugsmasche dieselbe: Die bei dem Kommunikationsunternehmen eingereichte Vertragsurkunde enthielt teils richtige, teils erfundene Angaben zur Person des angeblichen Kunden. Immer wurde deren Unterschrift gefälscht. In der Folgezeit erhielten die Betrogenen natürlich Rechnungen und Mahnungen für Telefon- und Internetdienstleistungen, die sie nie in Anspruch genommen hatten. Dass dann die ganze Sache aufflog, liegt auf der Hand.
Bei der Beurteilung der Tat spielte insbesondere das Vorstrafenregister eine große Rolle. Mitte 2007 hatte das Schweinfurter Schöffengericht den Angeklagten wegen einer größeren Betrugsgeschichte mit gestohlenen Computern zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Die mit dem damaligen Urteil verbundenen Auflagen nahm der Mann offenbar nicht ernst. Die Folge: Die Bewährung wurde widerrufen und der Mann genoss über ein halbes Jahr, genauer gesagt bis Februar 2010, die Aussicht im "Café Sandbad", wie die Justizvollzugsanstalt in Bamberg seit jeher genannt wird.
Strafrichterin Ilona Conver kreidete ihm jetzt an, dass er schon im Jahr nach seiner Haftentlassung erneut krumme Dinger drehte. Da sich die Gaunereien über einen längeren Zeitraum hinzogen, sprach sie von einem gewerbsmäßigen Betrug, der juristisch noch schwerer zu Buche schlage.

"Gerade noch vertretbar"

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte vor diesem Hintergrund eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Peter Auffermann, plädierte dagegen auf eine "allerletzte Chance" für seinen Mandanten. Er betonte, dass der Täter geläutert sei. Dafür spreche, dass er voll geständig und reuig sei, dass er seit zweieinhalb Jahren eine feste Arbeitsstelle habe und dass er vor kurzem geheiratet habe. Trotzdem hielt auch der Verteidiger eine Bewährungsstrafe bis höchstens zwei Jahre für angemessen.
Die vom Gericht ausgesprochene Bewährung, erklärte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsbegründung, sei "gerade noch vertretbar." Sie hielt dem Verurteilten vor, die Daten von Menschen, die ihm vertraut hatten, schamlos missbraucht zu haben. Die Bewährungszeit beträgt fünf Jahre, zudem muss der Mann 3000 Euro an den Weißen Ring (Opferhilfe-Organisation) und 5000 Euro als Schadenswiedergutmachung an das Kommunikationsunternehmen zahlen. Von Seiten der Verteidigung wurde das Urteil akzeptiert. Ob die Staatsanwaltschaft in Berufung geht, blieb noch offen.