Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Vergangene Woche stellte sich einmal mehr heraus, wie außergewöhnlich ideenreich Schach auch und gerade unter ungünstigen äußeren Bedingungen sein kann: Maßgeblich in Person seines rührigen Zweiten Vorsitzenden Kilian Mager richtete der Schachverein Seubelsdorf zu Christi Himmelfahrt die erste offene Lichtenfelser Online-Meisterschaft im königlichen Spiel aus. Damit belebte der SVS eine Tradition des späten 20. Jahrhunderts auf eine zeitgemäße Weise wieder. Stadtmeisterschaften gab es in der Korbstadt nämlich bereits in den 1970er und 1980er Jahren: 1979 anlässlich der 50-Jahres-Feier des Vereins; 1981 zum 750-jährigen Stadtjubiläum; und zuletzt 1987 als Veranstaltung für nicht im Verein organisierte Schachfreunde.

34 Jahre später ließ der SVS einen Versuchsballon steigen, allerdings in einen noch unerschlossenen Raum: in das virtuelle Gelände des Online-Schachs. Unabhängig von jeder Anbindung an einen Verein oder einen Ort konnten sich alle Interessierten über die kostenlose und werbefreie Schachplattform lichess.org beteiligen. Über das Internet erfolgte auch die Ausschreibung dazu.

Ihr folgten 20 Personen, unter denen der SVS mit acht Spielern das größte Kontingent stellte. Auch von den insgesamt sieben Jugendspielern, die teilnahmen, stellte der SVS vier. Es waren überwiegend Vereinsspieler aus Oberfranken vertreten. Drei Teilnehmer gesellten sich aus Mittelfranken dazu und drei andere aus weiter entfernten Orten wie Annaburg, Eschborn und Wismar. In diesem Feld wurden binnen eineinhalb Stunden 126 Partien ausgetragen, von denen nur sieben Prozent remis endeten. Einen Anreiz für dieses kämpferische Schach bot auch die Regel, für einen Sieg drei Punkte zu vergeben und für ein Unentschieden nur einen. Die Bedenkzeit betrug drei Minuten pro Partie plus zwei Sekunden Zuschlag pro Zug. Für temporeiches Spiel war daher gesorgt. Für die drei Besten gab es Preisgelder. 30, 25 beziehungsweise 20 Euro sowie jeweils 15 Euro für den besten Jugendlichen und den besten Lichtenfelser.

Nach spannendem Verlauf gab es am Ende zwei Sieger. Die Seubelsdorfer Spitzenspieler lagen am Ende gleichauf. Fide-Meister Jürgen Gegenfurtner und Jugendspieler Tobias Kolb erreichten jeweils 33 Punkte und teilten sich daher die Preisgelder. Auf den dritten Platz kam ein Spieler, der seine Identität hinter dem Pseudonym "Discovered Attacker" versteckte. Da Kolb bereits den geteilten ersten Preis errungen hatte, ging der Preis an den besten Jugendlichen an Connor Koppe (15 Punkte, Platz 10). Als bester Lichtenfelser wurde der Seubelsdorfer Spielleiter Christian Gebhardt (12 /11.) prämiert. uv