von unserem Mitarbeiter Wolfgang Ortloff

Zeil — Es gibt Lieder und Melodien, die gehen einem nicht mehr aus dem Ohr und begleiten einen dann tagelang. So ist es sicherlich etlichen der knapp 400 Zuhörer ergangen, die das 29. Auftaktkonzert des Gesangvereins "Liederkanz" für das Zeiler 30. Altstadt-Weinfest besuchten.
Nach zwei Stunden beendete am Freitagabend stürmischer Applaus das Konzert in der Rudolf-Winkler-Halle, und den anschließenden gemütlichen Umtrunk bei Kerzenschein im Schulhof trübte kein Wetterlein. Der "Liederkranz" beschwor ganz romantisch "One moment in Time" und bot auch noch etliche weitere englischsprachige Lieder dar.

Moderne Hits als Chorfassung

Nun gut, da konnte man nicht so leicht mitsingen wie bei den bekannteren deutschen Liedern, was vielleicht die Älteren im Saal bedauerten. Die Jungen jedoch gingen mit und freuten sich auch über so manch ausgefallenes Arrangement. Den Udo-Lindenberg-Hit "Hinterm Horizont geht's weiter" kennt man als Chor-Arrangement eher weniger. Dennoch ein Erlebnis, und dem Chorleiter Sebastian Franz galt am Ende auch ehrlicher Dank.
Die Herzen gingen natürlich auf bei dem frechen 50er-Jahre- Hit "Lollipop" - und bei "Azzurro", das den blauen Himmel der Verliebten erstehen ließ und das ganze Publikum im Rudolf-Winkler-Haus zum Chor machte. Ein Singen, ein Klatschen!

Jazz-Trio legt los

Bei "Irgendwie, irgendwo, irgendwann", so ein weiterer Titel, packte es jeden Zuhörer des Konzerts. Das diesmal auch eine Neuerung bot: Denn mit Veronika Thoma, Andreas Weiss und Friedemann Pods war erstmals bei einem Weinfestkonzert eine Jazz-Combo unter den Gästen. Vielleicht gefiel es nicht jedem Zeiler, doch das Trio machte seine Sache gut. "The Lady and the Tramps" musste auf den erkrankten Peter Thoma (Saxophon) verzichten, gleichwohl kam der Mainstream-Jazz der 30er und 50er Jahre gut rüber. Alle Mitglieder sind studierte Musiker, teils Studienkollegen von Sebastian Franz.
Ganz fasziniert hatten die Zuhörer auch dem Gitarristen Harald Gogger gelauscht, als der die "Streets of London" spielte, deutsche Strophen sang, die der Chor auf Englisch ergänzte. Ein reizvolles Wechselspiel. Dem Chor merkte man überhaupt an, dass er gerne mal etwas anderes sang. Bei Carole Kings Klassiker "You've Got a Friend", schaute man sich in die Augen und lächelte. Bewegte Darbietungen, die der Jugendchor Zeil, "Kapalared", unter Chorleiterin Anja Jäger steigerte.

Bewegte Darbietungen

Die jungen Sänger traten nach und nach auf die Bühne, gaben den Liedern immer mehr Stimmen, gruppierten sich beim Disney-Medley in lockerer Formation, spielten das Gesungene mit lustigen Gesten nach und packten gar die Bananen aus. Ein Glück, dass sich da Helmut Trautner keine aus dem Korb gemopst hatte, obwohl es ihn, wie er am Ende launig moderierte, sehr verlockt hatte. Der "Liederkranz" hatte voll ins Schwarze getroffen und Mut bewiesen. Für Jung und Alt waren Stücke geboten. Beide Chöre bewiesen Harmonie und reagierten mit exakten Einsätzen und stimmklaren Darbietungen. Am Klavier begleiteten Michael Schorr und Christiane Raab, nett moderierte zwischendurch Martha Schübert.