Um die Demokratisierung in Herzogenaurach auf den Weg zu bringen, genehmigte Major Robert J. Hanford vom Militär Gouverneursamt in Höchstadt für den 21. Dezember um 19.30 Uhr eine Gemeindeversammlung im Volkshaus in Herzogenaurach, zu der 400 bis 500 Personen erwartet wurden. In seiner Erlaubnis an Valentin Fröhlich und Hans Maier war auch das Thema der Versammlung vorgegeben: "Örtliche Gemeindeverwaltung und -führung".

Die wachsende Wohnungsnot zwang am 14. Dezember 1945 die Stadtverwaltung zu einer Anfrage an die Regierung von Ober- und Mittelfranken in Ansbach. Nach dem Auszug der Amerikaner standen wieder viele Räume leer, so das Stadtmuseum sowie das Amtsgericht, die in großen Teilen des historischen Schlossgebäudes untergebracht waren. Hierhin war vorübergehend das städtische Archiv verlagert worden. Schon damals hatte die Stadtverwaltung ein begehrliches Auge auf das Gebäude in der Mitte der Stadt geworfen: "Die Stadt hat, wie schon früher, am Schlossgebäude das regste Interesse." Darin plaziert werden sollte zum Beispiel die Schule.

Bei der Wahl der Betriebsobleute bei der Stadt Herzogenaurach am 20. Dezember 1945 hatten sich mehrere Kandidaten beworben. Gewählt wurde Tobias Hertwich, Assistenten-Anwärter, und Konrad Gumbrecht, städtischer Wasserwart. In der Stadtratssitzung am 20. Dezember wurde über mehrere Punkte entschieden. So sollte der Firma Glock & Hübinger durch Pachtvertrag das ehemalige NSFK-Heim mit den zwei Schuppen und einem noch zu bestimmenden Gelände überlassen werden.

Ein großes Problem stellte nach wie vor die Stromversorgung dar. Die Stadt gab daher zu bedenken: "Alle Haushalte, die in Zukunft ihren bisherigen Stromverbrauch krass erhöhen, erhalten eine öffentliche Verwarnung, die durch die Stadtkasse übergeben wird. Im Wiederholungsfall folgt dieser Verwarnung ohne weitere Verständigung der Stromentzug auf die Dauer eines Monats."

Hubmann nahm die Post nicht an

Die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken in Bayreuth beklagte sich in einem Brief an den Bürgermeister in Herzogenaurach darüber, dass zwar am 24. August 1945 in einer Meldung aus Herzogenaurach Brauereibesitzer Adam Hubmann als Vorsitzender des Industrie- und Handelsgremiums benannt worden war. Seit dem 16. November 1945 verweigere aber Hubmann die Annahme der Postsendungen aus Bayreuth. Um keine Unterbrechung in der Erledigung der anfallenden Arbeiten entstehen zu lassen, sollte baldmöglichst ein neuer Vorsitzender für das Industrie- und Handelsgremium bestellt werden. In der Aurachstadt handelten die Verantwortlichen schnell. Am 19. Dezember 1945 wurde der Treuhänder der Firma Weiler, Herr Sollmann, als Vorsitzender für das Industrie- und Handelsgremium vorgeschlagen.

In einem Schreiben vom 18. Dezember wandte sich der Herzogenauracher Bürgermeister an das Gipswerk in Einersheim. Von dort stand noch ein Restquantum Gips für das Liebfrauenhaus aus. Wegen schlechten Wetters hatte das Gemüseauto, das von Herzogenaurach regelmäßig nach Kitzingen fuhr, diesen Gips nicht mitnehmen können. Es war aber geplant, am 20. Dezember mit dem Lastauto vorbeizukommen, um den noch ausstehenden Gips abzuholen. Bürgermeister Maier bat darum, für Herzogenaurach noch zusätzlich Gips mitzugeben, den die Stadt an ortsansässige Firmen verteilen wollte. Für die Zukunft beabsichtigte Herzogenaurach, alle 14 Tage rund 20 Zentner Gips "für den öffentlichen Bedarf" zu beziehen. Maier erkundigte sich nach den Formalitäten oder anderen Voraussetzungen für die Abgabe.

In einem Jahresbericht der katholischen Pfarrei St. Maria Magdalena in Herzogenaurach für das Jahr 1945 ließ Stadtpfarrer Leonhard Ritter ein ereignisreiches Jahr Revue passieren. So gab es 92 Taufen und 27 Hochzeiten, davon waren 14 Mischehen, also konfessionsverschieden.

Unter den 86 Todesfällen waren 20 Gefallene. Pfarrer Ritter beklagte die zu diesem Zeitpunkt bekannt gewordenen 185 Gefallenen des Zweiten Weltkrieges in der Pfarrgemeinde ganz besonders. Der Gottesdienstbesuch war das ganze Jahr über gut, die Zählsonntage erbrachten im Frühjahr 3335, im Herbst 3342 Kirchenbesucher. Zum Schluss appellierte Ritter an seine Gemeindemitglieder: "Was wir tun, soll echt sein und wahr und nicht bloß Schein, sondern auch Kern, soll etwas Ganzes sein. Schreiben wir uns über den Eingang unserer Wohnung das Wort Liebe - Liebe und immer wieder Liebe. Andernfalls ist all unser Kirchengehen und all unser Beichten umsonst."

Da sich das Jahr 1945 dem Ende zuneigte, versandte die Stadtverwaltung Neujahrswünsche an die Militärregierung, den Kommandeur des Flughafens, Ehrenbürger Oberlehrer Franz Josef Schürr, Landrat Valentin Fröhlich und Lokalhistoriker Luitpold Maier. Mit Glückwünschen bedacht wurden Erzbischof Josef Otto Kolb, Bamberg, und Pfarrer Franz Rathgeber in Nürnberg. In Erlangen gingen die Grüße an Oberbürgermeister Anton Hammerbacher, an den Zweiten Bürgermeister Michael Poeschke sowie an seine Magnifizenz, den Rektor der Universität Erlangen.

Post aus Herzogenaurach erhielten auch Oberbürgermeister Hans Ziegler, Nürnberg, Ministerpräsident Kurt Högner, Staatsminister Roßhaupter, der Reichsbahnpräsident, der Präsident der Oberpostdirektion und der Regierungspräsident.