von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Nicht gänzlich frei von Komik war ein Gerichtsverfahren am gestrigen Vormittag. Eine 39-jährige Altenkunstadterin hatte sich in ihm wegen Verleumdung und Beleidigung zu verantworten. Eigentlich hätte die Angelegenheit längst vom Tisch sein können, wenn die Beschuldigte die Zahlung von 800 Euro übernommen hätte. Der Strafbefehl, der gegen sie ausgesprochen wurde, verlangte das. Aber die Frau legte Einspruch ein, wohl auch darum, weil sie ihre Sicht der Dinge darzulegen suchte.
Dass sie Mitte Februar 2015 einen anonymen Brief an eine Klinik im Landkreis schrieb und in ihm aufführte, wonach eine Klinikangestellte Sex mit Patienten suche, gab die Frau unumwunden zu. "Man muss die Leute warnen", begründete sie ihr Ansinnen. Das Motiv für den Brief war ein höchst persönliches, da ihr Mann selbst als Patient den Avancen der Klinikangestellten erlegen sei.

In Putzkammer und Mattenraum

"Putzkammer und Mattenraum", führte die 39-Jährige als Orte des Geschehens an. Mit "die hat ihre Tasche ausgepackt und losgelegt" suchte sie den Akt selbst mit Worten zu umreißen, wobei sie aber unterbrochen wurde. Zudem zeigte sich die Angeschuldigte davon überzeugt, dass man auch darum vor der Klinikangestellten warnen müsse, weil diese vom HPV-Virus befallen sei, einem Virus, das in vielen Fällen auch für Warzenbildungen verantwortlich ist. Aber außer dem Brief waren es noch verräterische SMS, welche die leidtragende Ehefrau ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Rivalin sandte. Die Wortwahl war eindeutig: Schlampe, Drecksschlampe, verlogenes Miststück, alte Hure.
Immer wieder erklärte die aufgebrachte Ehefrau, dass sie zu den von Staatsanwalt Michael Imhof gegen sie verlesenen Vorwürfen absolut stehe, was wiederum die Frage aufwarf, weshalb sie dann eigentlich Einspruch eingelegt hatte. Offensichtlich suchte die Frau das Vorkommnis vor Gericht auszuweiten. Denn: "Woanders fliegen solche Leute aus den Firmen."
Aber auf eine Ausweitung legten Richterin Anja Wolf-Albrecht und Staatsanwalt Imhof wenig Wert und empfahlen die Einstellung des Verfahrens, sobald der Strafbefehl von der Angeschuldigten akzeptiert und bezahlt würde. "Sie zahlen das Geld und klären das ohne Beleidigungen", so die Richterin an die Frau gewandt. Daraufhin nahm diese den Einspruch zurück und verließ lamentierend den Gerichtssaal.