Das hatte selbst Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner in seiner langen Karriere noch nicht erlebt: Binnen weniger Wochen wurde ein mittlerweile 21-jähriger Arbeiter gleich viermal mit seinem Fahrzeug von der Polizei kontrolliert - und jedes Mal stand er unter Drogen.

Doch damit nicht genug. Der junge Mann musste seine Fahrerlaubnis bei der Führerscheinstelle des Kulmbacher Landratsamts abgeben, was ihn nicht daran hinderte, kaltschnäuzig mit dem Auto wieder nach Hause zu fahren.

"Das alles ist nicht nur unverständlich, sondern auch unerträglich", sagte Berner in der Verhandlung vor dem Amtsgericht. Sein Fehlverhalten muss der 21-jährige jetzt teuer bezahlen. Er wurde wegen Erwerbs und Besitzes von Drogen, wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen des Führens eines Kraftfahrzeugs unter Drogeneinfluss in mehreren Fällen zu einer Geldstrafe von insgesamt 3500 Euro verurteilt.

Dabei hatte der Angeklagte noch Glück, denn der für Jugendsachen zuständige Amtsgerichtschef entschied entgegen des Antrags der Staatsanwaltschaft auf die Anwendung des Jugendstrafrechts, weil der junge Mann zur Tatzeit noch als Heranwachsender galt. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte eine wesentlich höhere Geldstrafe nach dem Erwachsenenstrafrecht gefordert.

Katalog an Auflagen

Amtsgerichtsdirektor Berner setzte allerdings noch einen ganzen Katalog an Auflagen fest. So schickte er den Angeklagten zur Suchtberatung des Diakonischen Werks, er muss sich jeglichen Konsums von Drogen enthalten, was ein Jahr lang penibel durch entsprechende Screenings überprüft wird, und er darf vor Ablauf eines Jahres keinen neuen Führerschein beantragen.

Letzteres wird ohnehin nicht leicht werden, da der Angeklagte aufgrund der Vorgeschichte auf jeden Fall eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) machen muss.

Der 21-Jährige war im zurückliegenden September einmal mit einer geringen Menge Crystal, ein anderes Mal mit gut einem Gramm Marihuana erwischt worden. Im September, im Oktober und noch einmal zu Beginn dieses Jahres kontrollierten die Beamten den Mann einmal im Ortsbereich von Mainleus, ein anderes Mal auf dem Parkplatz eines Verbrauchermarktes insgesamt viermal, jedes Mal stand er unter dem Einfluss von Drogen. Anfang des Jahres hatte er außerdem seinen Führerschein schon abgegeben.

In der Hauptverhandlung ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger Karsten Schieseck alles einräumen. Er habe sich keinerlei Gedanken über sein Verhalten gemacht und sei durch falsche Freunde in die Sache hineingerutscht. Seit Anfang dieses Jahres lebe er allerdings vollkommen abstinent. Er habe es geschafft, mit Hilfe seiner Familie und von Kraftsport von den Drogen vollständig wegzukommen, ohne unter Entzugserscheinungen zu leiden. "Er hat jetzt begriffen, dass er entsprechend verantwortungsvoll handeln muss", sagte Verteidiger Schieseck.

Eine wesentlich höhere Geldbuße von insgesamt 5500 Euro hatte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gefordert. Obwohl der junge Mann zur Tatzeit Heranwachsender gewesen sei, könne sie keine Jugendverfehlung erkennen. Der Angeklagte besitze schließlich ein eigenes Auto und habe ein festes Einkommen, begründete sie ihren Antrag und forderte die Verurteilung nach dem Erwachsenenstrafrecht.

Das sahen sowohl Verteidiger Schieseck, der eine entsprechend niedrigere Geldauflage beantragte, als auch Richter Berner anders. Bei seinem Mandanten lägen ohne jeden Zweifel Reifeverzögerungen vor, sagte Schieseck.

Jugendtypisches Verhalten

Richter Berner ergänzte in seinem Urteilsspruch, dass der multiple Drogenkonsum über einen längeren Zeitraum und in erheblich Mengen eher auf jugendtypisches Verhalten hindeute. Berner: "Erst vor nicht allzu langer Zeit ist der Angeklagte aufgewacht und verfolgt seitdem einen positiveren Lebenswandel."