Zu unserer Berichterstattung über den AfD-Stammtisch und Proteste dagegen (BR vom 17. März) wird uns geschrieben:

Im Zusammenhang mit der Demonstration gegen einen AfD-Info-Abend in Mainleus im Gasthaus "Gleis 3" drängt sich eine kritische Betrachtung des Umgangs verschiedener politischer Lager miteinander auf. Mit der Intention, den Zuwachs an Wählerstimmen der AfD zu verhindern und für Aufklärung über das politische Programm der Partei zu sorgen, versammelten sich über 100 Demonstranten vor der Gaststätte.
Leider gab es größtenteils nur Berichterstattung über die außen stattfindende Demonstration, jedoch nicht über die sich innen ereignende Diskussion zwischen AfD-Anhängern und den Demonstranten. Nach Beendigung der außen stattfindenden Versammlung suchten einige Demonstranten das Gespräch, um sich einerseits zu informieren, andererseits zu versuchen, den eigenen Standpunkt vor den Reihen der Gaststättenbesucher zu vertreten.
Neben einigen konstruktiven Fragen, die nur unzureichend beantwortet und mit politischen Floskeln ausgeschmückt wurden, gab es auch Anfeindungen beider Parteien.
Anstatt ein Zeichen für Frieden, Toleranz und Demokratie zu setzen, erreichte der Umgang miteinander nur eine Verhärtung der Fronten und die Unmöglichkeit des Meinungsaustausches. Nicht nur die AfD, sondern auch der unüberlegte und aggressive Protest gegen die andere Überzeugung verstärkt die Spaltung der deutschen Gesellschaft in die Extreme eines linken und eines rechten Lagers.
Haben uns die Aufklärer des 18. Jahrhunderts nicht das eigenständige Denken gelehrt? Was wurde aus dem Wahlspruch der Aufklärung: "Sapere Aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"? Anstelle von vorgeschriebenen Denkschemata sollten wir jede vorgedachte Position sowie das eigene Handeln kritisch hinterfragen. So führt eine gutgemeinte Gesinnung nicht unweigerlich zum positiven Ergebnis - und ein unüberlegt gesetztes Wahlkreuz womöglich zu dem echten Untergang der "westlich-abendländischen" Werte hinter der Maske der Demokratie.
So bleiben Demonstration und junger Protest wichtige Bestandteile unseres demokratischen Systems, doch sollte dies nur mit Bedenken und Reflexion zu einer ausführenden Handlung werden. Der aggressive Umgang miteinander verschärft sich zunehmend, Hetze in sozialen Netzwerken gibt es von rechter, als auch von linker Seite. Was fehlt, ist kritisches Denken. Auch im 21. Jahrhundert.

Florian Heise und Niklas Schwarz
95367 Trebgast