Lichtenfels — Kurz vor Weihnachten war es wieder soweit, die alljährliche Autorenlesung des Meranier-Gymnasiums-Lichtenfels konnte nach anfänglichen Turbulenzen und einer Terminverschiebung wegen des Bahnstreiks im November endlich stattfinden. Diesmal präsentierte Markus Orths seinen neuen Roman "Alpha & Omega" (Schöffling, 2014, 24,95 Euro) vor den Schülern der Jahrgangsstufen 10 bis 12.
Orths, dem kundigen Leser bekannt durch seinen Bestseller "Lehrerzimmer", hat inzwischen den Mikrokosmos Schule, dem er kurzzeitig selbst als Lehrkraft angehörte, auch literarisch längst verlassen. In "Alpha & Omega" geht es um viel mehr, gleich die Rettung des gesamten Universums steht auf dem Plan in dem Science-Fiction-Roman, der durch viele verschachtelte, detailverliebte, mitunter auch abwegig erscheinende Rand- und Nebenhandlungen sowie durch skurrile Figurenzeichnung dem Leser über 500 Seiten einiges an Konzentration abverlangt.
Markus Orths wählte aus dieser abgedrehten Story verschiedene kurzweilige Szenen aus, die er den Schülern vorlas und gut verständlich in den Gesamtkontext des Wälzers einbettete. Da sein Schreibstil von Absurdität, Ironie und Kalauern durchsetzt ist, sorgte dieser erste Teil der Lesung für heitere Stimmung bei den Zuhörern. Im Anschluss an die dreiviertelstündige Lesung erzählte der Autor über die Ideenfindung, das Schreiben als Prozess und ging auf viele Schülerfragen ausführlich ein. So erfuhr man beispielsweise, dass für ihn ein wesentlicher Ausgangspunkt eines Romans die Recherche und die richtige Uhrzeit ist. Denn Schreiben sei im Dämmerzustand wesentlich effektiver und gehaltvoller - Gott sei dank gibt es in Karlsruhe eine Bibliothek, die täglich 24 Stunden geöffnet hat und in der man Markus Orths normalerweise ab 4.30 Uhr finden kann. Sechs Stunden konzentriertes Schreiben seien dann Alltag. Danach sei der Kopf aber leer, so der Autor. Zudem müsse man ja auch noch Geld verdienen, denn mit Büchern alleine ist das höchstens für absolute Bestsellerautoren möglich, von denen es in Deutschland nur sehr wenige gebe. Wie man als Autor dann so viel verdient, dass auch eine Familie davon leben kann, erklärte er offenherzig: Lesungen spielen hierbei eine wesentliche Rolle.

Erste Kritikerin ist die Ehefrau

Die erste Leserin und vor allem Kritikerin sei seine Ehefrau, die für den Entstehungsprozess der Werke eine sehr wichtige Rolle spielt. Sie übernehme die Rolle eines wohlmeinenden, hilfreichen Korrektors und streiche ihm auch rigoros überflüssige Details. Auch Freunde und Kollegen gäben Rückmeldungen zu seinen literarischen Ideen, noch lange bevor die Fahnen beim Lektorat liegen. Dort erhalten dann der Roman oder auch die Erzählungen, die er immer wieder gerne zwischendurch schreibt, den letzten Schliff. Diese Art von Kritik empfindet der Autor neben dem richtigen Maß an Selbstkritik für unabdingbar auf dem Weg eines guten Schriftstellers. Verrisse oder Lobeshymnen nach der Fertigstellung seines Werkes versuche er dagegen inzwischen nicht mehr ernst zu nehmen, da das konstruktive Element fehle. Mit viel Energie, Erzähllust und Empathie schaffte es der gesundheitlich angeschlagene Orths auch in Lichtenfels, "Vergnüglichkeit und Anspruch, Leichtigkeit und Tiefgang miteinander zu verbinden"(Badische Zeitung) und die Schüler für die deutsche Gegenwartsliteratur zu interessieren. red