Judith Wagenhäuser

Über 30 Jahre ist sie nun schon her, die Explosion im Lenin-Kernkraftwerk bei Tschernobyl in der Ukraine. Was die Menschen im Kreis Haßberge durch die örtliche und zeitliche Distanz beinahe vergessen haben, ist für die Bewohner der Region noch schmerzhaft aktuell. Eine Bilderausstellung von jugendlichen Künstlern mit dem Titel "30 Jahre Tschernobyl" im Dokumentationszentrum "Zeiler Hexenturm" erinnert daran, wie die folgenden Generationen die Konsequenzen damaliger Versäumnis tragen müssen.
Mit einem Vortrag über den GAU (größter anzunehmender Unfall) und sämtliche Folgen von Initiator Erwin Koch (70 Jahre, aus Unfinden) wurde die Ausstellung am Donnerstagabend eröffnet. Zu sehen sind Zeichnungen von ukrainischen Kindern und Jugendlichen, die sich auf verschiedene Weise im Rahmen von Malwettbewerben mit dem Thema Tschernobyl auseinandergesetzt haben.
Viele der Bilder wurden bereits in der Ukraine mit Preisen ausgezeichnet und können jetzt in Zeil auch käuflich erworben werden. Die erbetenen Spenden und der Erlös durch den Bilderverkauf gehen an die Organisation "Hilfe für Tschernobyl-Kinder e. V.", welche sich seit über 20 Jahren für unter den Folgen der nuklearen Katastrophe von 1986 leidende Kinder einsetzt.
Vor 30 Jahren, am 26. April 1986, ist der Reaktor vier des Lenin-Kraftwerks nahe Tschernobyl explodiert. Trotz des Einsatzes unzähliger Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten, von denen viele davon beim Versuch der Katastropheneindämmung selbst ihr Leben gelassen haben, starben viele Anwohner. Durch die zu hohe Strahlenbelastung wurde die gesamte Region um das Kraftwerk herum kontaminiert, was sich im Sterben des Waldes und der Tiere äußerte.


Patenschaften

Um eben denen zu helfen, die unschuldigerweise die Konsequenzen des damaligen Missachtens von Sicherheitsvorgaben tragen müssen, organisiert der Verein "Hilfe für Tschernobyl-Kinder e. V." neben Hilfstransporten mit Sachspenden und medizinischer Versorgung jeglicher Art auch Patenschaften sowie Erholungsaufenthalte für ukrainische Kinder in Deutschland. Das bewundernswerte Engagement von Initiator Erwin Koch wurde bereits mit dem Würzburger Friedenspreis gewürdigt.
Dank des Kontaktes mit einer Dolmetscherin vor rund 25 Jahren kam der erste Besuch einer ukrainischen Gruppe von Kindern in Erwin Kochs Heimat in Unfinden zustande. Dass Krankheiten wie Kinderrheuma auch Folgen der atomaren Strahlung sein können, wurde Erwin Koch durch die Begegnung mit betroffenen Kindern bewusst. Er rief die Organisation "Hilfe für Tschernobyl-Kinder e. V." ins Leben.
Der Initiator konnte mithilfe vieler Ehrenamtlicher über den Verein bereits viel Gutes tun, aber das ist noch lange nicht genug. Aufgrund gesundheitlicher Probleme kann Erwin Koch mittlerweile nicht mehr selbst in die Ukraine reisen und vor Ort helfen. Deshalb sammelt er jetzt auch mit der Wanderausstellung "30 Jahre Tschernobyl" im "Zeiler Hexenturm" Geldspenden und sorgt dafür, dass die Hilfe bei denen ankommt, die sie dringend brauchen.


Das Leben wird beeinflusst

Die Ausstellung in Zeil macht deutlich, wie die Katastrophe das Leben ukrainischer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener in der ganzen Region beeinflusst. Bis 31. März ist der "Zeiler Hexenturm" am Wochenende und an Feiertagen von 13 bis 16 Uhr und für Gruppen und Schulen auch unter der Woche nach einer Absprache geöffnet.