von unserem Redaktionsmitglied 
Maximilian Glas

Kleinsteinach — Als Birgit Bayer 2008 in einer Gemeinderatssitzung als damalige Bürgermeisterin Riedbachs den Anstoß zu einem jüdischen Museum gab, wusste sie noch nicht, auf was sie sich einließ. Der Gemeinderat stimmte der neuen Nutzung des historischen Schulhauses im Ortskern zwar schnell zu, doch bis zur Verwirklichung des Projekts dauerte es. Am Ende waren es über sieben Jahre bis zur Eröffnung des Museums "Jüdische Lebenswege" am Mittwoch in Kleinsteinach. "Ich hatte damals nicht gedacht, dass der Weg so schwierig wird", erzählt die Kreisrätin Birgit Bayer. Die zu bewältigenden Aufgaben waren vielfältig: Kontakte knüpfen, Dokumente sammeln und Archive sichten, einen Übersetzer für alle Grabsteine auf dem jüdischen Zentralfriedhof finden und vor allem die Finanzierung sicherstellen. Diese stand erst im Jahr 2013, als das Museumsprojekt Kleinsteinach in das Leader-Förderprogramm der EU mit einem Zuschuss von 85 527 Euro aufgenommen wurde. Zu dieser Zeit gründete sich auch der Arbeitskreis "Landjudentum Kleinsteinach", der die Ortsgeschichte erforschte. Eine wichtige Rolle für das Projekt spielte außerdem die Geschichtsforscherin Cordula Kappner. Seit mehr als 30 Jahren dokumentiert sie die jüdische Geschichte im Ort und stellte ihre privaten Aufzeichnungen für das Museum zur Verfügung.
Nach jahrelanger Planung kann sich das Ergebnis heute sehen lassen. Auf zwei Etagen ist die bewegende, 500-jährige Geschichte der jüdischen Gemeinde in Kleinsteinach dokumentiert. Auffällig ist vor allem die moderne Umsetzung mit vielen Bildschirmen und Medienstationen. An diesen können sich die Besucher unter anderem über alle Häuser, die von Juden bewohnt waren, informieren. Und wer das ehemalige Schulhaus verlässt, muss noch nicht am Ende der Zeitreise sein. "Überspitzt gesagt ist der ganze Ort ein Teil des Museums", sagt Elisabeth Vogl, verantwortlich für die wissenschaftliche Konzeption. Analog zum Museum bietet sich ein Rundgang zum jüdischen Zentralfriedhof an. Zusätzliche Informationen für den Weg sind durch ein Tablet abrufbar, das kostenlos im Dorfladen ausgeliehen werden kann. Wie der Name "Jüdische Lebenswege" schon verrät, soll das Museum ein lebendiger Ort sein. "Das Museum möchte bewusst kein Ausstellungsort sein, an dem die Geschichte in Vitrinen eingeschlossen wird", sagt Landrat Wilhelm Schneider. "Das Museum will ein Lern- und Lehrort sein, ein Ort der Begegnung."