Hallo Herr Knauer, wie geht's?

Jakob Knauer: Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Ich habe in der Schulter keine Schmerzen mehr und muss deshalb auch keine Medikamente oder Schmerzmittel nehmen. Die Physiotherapie verläuft durchweg positiv. Unsere medizinische Abteilung ist sehr zufrieden mit dem bisherigen Heilungsverlauf.

Beschreiben Sie doch mal, wie Sie die Aktion, die zur Schulterverletzung führte, erlebt haben.

Die Aktion war ein typisches "Eins-gegen-Eins gegen die Hand" von mir. Viele Spieler nehmen dazu den Wurfarm über den Gegenspieler ("Überzieher"). Ich probiere hingegen meinen Wurfarm unter den Armen des Gegenspielers quasi durchzustecken, da ich so schneller bin und die Bewegung explosiver durchführen kann. Das wurde mir jedoch in der besagten Aktion zum Verhängnis, da der Gegenspieler meinen Arm festhalten konnte und anschließend unglücklich darauf gefallen ist. Ich habe natürlich sofort gemerkt, dass die Schulter ausgekugelt ist, da ich meinen Arm nicht mehr bewegen konnte und er auch nicht mehr an Ort und Stelle war.

Welche Gefühle schossen Ihnen in diesen Momenten durch den Kopf?

Ich war erstmal sehr geschockt darüber, dass ich meinen Arm nicht mehr wirklich spüren konnte. Natürlich hat es auch sehr geschmerzt, aber ich habe mir sofort gedacht: "Nicht schon wieder die Schulter!" Außerdem habe ich gehofft, dass unser Physiotherapeut oder der Teamarzt die Schulter schnellstmöglich wieder Einkugeln kann. Das Zurückbringen in Normalposition der Schulter gelang dann noch direkt auf dem Spielfeld.

Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, Ihre Handball-Karriere zu beenden? Es ist ja schon die zweite, schwere Schulter-Verletzung.

Ich werde keine Sekunde an das Karriereende denken, da ich ein Kämpfertyp bin. Meine Schulter war nach der ersten Operation sogar deutlich besser als noch vor der Verletzung letztes Jahr im unverletzten Zustand. Ich habe gemerkt, dass dich jeder einzelne Tropfen Schweiß in der Reha stärker zurückkommen lässt. Genau so werde ich diesen Weg wieder gehen. Zudem handelt es sich nicht ganz um die gleiche Verletzung. Das lädierte Labrum ist nach der letzten Operation so gut verheilt, dass es dieses Mal an einer anderen Stelle gerissen ist. Zudem sind keine anderen Sehnen in Mitleidenschaft gezogen worden. Dieser Fakt hilft mir enorm, wieder Vertrauen in die Schulter aufzubauen, wenn es Richtung Handball- und Krafttraining geht.

Wie und wann soll es mit dem Comeback klappen? Schildern Sie doch mal den Zeitplan.

Aktuell muss ich meine Schulter noch eine Woche lang mit dem Schulterverband ruhigstellen. Somit ist außer Physiotherapie noch nicht viel möglich. In der Physiotherapie arbeiten wir momentan an einem Gleichgewicht aus Stabilität und Beweglichkeit der Schulter. Der nächste Schritt wird dann die aktive Ansteuerung der Schultermuskeln, Ausdauertraining auf dem Fahrrad-Ergometer und Koordinationsübungen als Trainingseinstieg sein. Sollte alles nach Plan verlaufen, wie es aktuell der Fall ist, bin ich ab Februar wieder für mehrere Wochen bei unserem Reha-Partner Heyd in Bischberg. Danach beginnt die Wiedereingliederung in den Trainingsalltag, mit dem ich ab April rechne. Wann es letztendlich wieder für Einsätze in der Bundesliga reicht, kann man zum aktuellen Stand der Verletzung nicht sagen.

Was haben Sie als Profi-Handballer für Zukunftspläne?

Wie schon gesagt, ich habe keine Sekunde an das Karriereende gedacht. Es ist aber auch jedem bekannt, dass die meisten Handballer nach der aktiven Karriere nicht ewig vom Sport leben können, weshalb ich seit einem Jahr Wirtschaftsinformatik studiere. Das hat aber keinen Zusammenhang mit der Verletzung.

Warum steigt der HSC Coburg trotz dieses Fehlstarts nicht ab?

Wir haben enormes Potenzial in der Mannschaft, was man schon in der Vorbereitung beim Sieg in Hannover oder bei der knappen Niederlage gegen Erlangen erkennen konnte. Wir haben gesehen, dass wir gegen fast alle Gegner über weite Teile des Spiels mithalten können. Nun gilt es, die ersten Spiele zu analysieren und die Fehler aufzuarbeiten. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir den Schalter umlegen und noch den ein oder anderen unerwarteten Punkt holen.

Kann Profi-Handball am Standort Coburg auf Dauer überhaupt überleben? Corona macht dem HSC das Leben verdammt schwer.

Von der Pandemie und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen Ausnahmezustand, sind nicht nur wir betroffen. Zum Einen sitzen alle Bundesliga-Klubs in einem Boot, zum Anderen ist die angespannte wirtschaftliche Lage fast ausnahmslos branchenübergreifend und flächendeckend. Wenn wir, der Verein, die Fans und die Sponsoren zusammen halten, können wir diese schwierige Phase mit Geduld gemeinsam überstehen und uns bald wieder in der HUK-Coburg Arena sehen.

Das Gespräch führte Christoph Böger