Viele freuen sich derzeit über Sonnentage pur, für die Natur jedoch ist die aktuelle Trockenphase eine Katastrophe. Die Werte an den Messstationen im Landkreis Kulmbach zeigen für den Monat Mai deutlich zu geringe Niederschläge - dies gemessen im Vergleich zum Mittel der Jahre 1971 bis 2000. Nach diesen Messungen liegt die Station Kulmbach mit 14 Millimetern Niederschlagssumme im Mai bei gerade einmal 23 Prozent des Mittelwerts, in ganz Oberfranken wurden 26 Millimeter gemessen (41 Prozent vom Mittel).

Stadtförsterin Carmen Hombach schlägt für die Wälder Alarm. "Der Borkenkäfer fliegt wie verrückt, der Oberboden ist fast ausgetrocknet und die Fichte bekommt kaum Wasser."

"Mir fällt nichts mehr ein"

Auch im Bereich Wiederaufforstung sei die Situation ernüchternd: "Was Ende November gepflanzt wurde, ist noch lebend, die Winter- und Frühjahrskulturen haben zu wenig Wasser." Dazu kommt laut Hombach, dass die alten Bäume jetzt Samen für neuen Nachwuchs bilden müssten, vermutlich werde man im Herbst gar keine Saatguternte durchführen können, dann hätte man auch nicht genügend Neupflanzen zur Verfügung.

"Mir fällt nichts mehr ein", sagt die Stadtförsterin, die schon gar nicht mehr das Radio einschalten will. "Da jubeln die Leute über schönes Wetter, ich kann es nicht mehr hören." Ein bisschen habe man von den Wintermonaten profitiert, insbesondere Tiefwurzler kämen aktuell noch zurecht, aber die Fichten ließen bereits jetzt die Äste hängen, die Spannkraft sei raus. "Was der Käfer nicht frisst, fällt dann vielleicht der Trockenheit zum Opfer." Zwei bis drei Wochen könne man noch aushalten, aber es sei kein Regen in Sicht. "Ein paar Tage Regen hintereinander bräuchte es schon."

Wichtig wären ihrer Ansicht nach eine noch bessere Kooperation und ein stärkerer Zusammenhalt unter den Waldbesitzern. "Man muss Kompromisse eingehen und gemeinsam Wälder erschließen, damit man schnell reagieren kann." Dazu sei es nötig, Bestände zu durchforsten und mindestens fünf Baumarten auf der Fläche stehen zu haben. "Auch in der Stadt müssen wir Bäume pflanzen, eine Grünanlage tut uns gut."

So sei es auch in der Stadt notwendig, Grünflächen miteinander zu vernetzen, um den Fortbestand zu sichern. "Eine Begrünung des alten Kaufplatzgeländes entlang des Mains wäre daher wünschenswert." An die Bevölkerung richtet die Expertin den Appell, sich aktuell im Wald entsprechend vorsichtig zu verhalten, denn es herrsche höchste Waldbrandstufe, auch die Luftbeobachter seien bereits unterwegs.

Keine Kippen wegwerfen

Wichtig sei es, Autos nur auf Wegen abzustellen, kein offenes Feuer zu unterhalten und auch keine Kippen aus dem Auto zu schnipsen. "Erst heute Morgen habe ich am Trimm-dich-Pfad eine Kerze aufgesammelt, ich dachte, ich sehe nicht richtig."

Ebenfalls mit der Trockenheit hat die Landwirtschaft zu kämpfen. Birgit und Manfred Distler aus Esbach versuchen aktuell auf ihrem Biohof zu retten, was zu retten ist. "Mit entsprechender Sortenauswahl und Humusaufbau mit Zwischenfrüchten versuchen wir, mit geringem Erfolg, gegenzusteuern", sagt Birgit Distler. Wenn es nicht regne, sei aber auch das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. All diese Maßnahmen würden die Ernteeinbußen nicht verhindern können. "Das fehlende Wasser ist einfach elementar. Bei gleichem Arbeitsaufwand werden wir weniger ernten."

Und was bedeutet die Trockenphase für die Grundwassersituation? Der Niedrigwasserlagebericht für Bayern besagt: Rund 44 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. Für die Messstellen in Kulmbach/Blaich zeigt der Grundwasserstand "niedrig". Aber: Aufgrund der Niederschläge des vergangenen Winterhalbjahres bewegen sich die gemessenen Grundwasserstände im Landkreis Kulmbach derzeit an der Mehrheit der Messstellen meist noch auf einem durchschnittlichen Niveau.

Wegen des erheblich zu trockenen Monats Mai seien die Grundwasserstände in den letzten Wochen etwas stärker zurückgegangen, verlautbart die Pressestelle des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU). Eine verlässliche Aussage über die weitere Entwicklung der Niederschläge und der Grundwasservorkommen lasse sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht treffen. "Aufgrund des bestehenden langjährigen Defizits in der Grundwasserneubildung von jährlich rund 13 Prozent und der zuletzt gehäuft aufgetretenen Trockenjahre kann dieses Defizit nicht nachhaltig durch einzelne regenreiche Wochen ausgeglichen werden", sagt Frank Bäse vom LfU.