Mit über 1,7 Promille Alkohol im Blut lag ein 13-Jähriger aus dem westlichen Landkreis auf dem Real-Parkplatz in Kulmbach, als er von Passanten gefunden und nach Hause gebracht wurde. Die Mutter erkannte sofort den Ernst der Lage und verständigte einen Rettungswagen, der den Jungen aufgrund seines miserablen Zustands in die Kinderklinik nach Bayreuth brachte.

Schuld an der Alkoholvergiftung soll ein Bekannter des 13-Jährigen sein. Er soll den Alkohol besorgt und ihn dem Jungen eingeflößt haben. Das dachte zumindest der Vater des Buben und machte den Bekannten, einen polizeibekannten Jugendlichen, ausfindig.

Beleidigt und bedroht

Doch damit nicht genug. Der Vater soll den Bekannten heftig beleidigt, bedroht und ihm Schläge angedroht haben. Wegen versuchter Nötigung landete der 54-Jährige jetzt auf der Anklagebank.

"Du kriegst die Fresse voll", soll der Mann dem Bekannten seines Sohnes hinterhergerufen haben. Auch die Drohung, dass er ihm das Genick brechen werde, ist einem Polizisten zufolge gefallen. Ob es tatsächlich auch Beleidigungen wegen der Hautfarbe des Bekannten gab, konnte nicht bewiesen werden. Der 54-Jährige hatte den Jugendlichen als Rädelsführer einer Truppe ausgemacht, die am frühen Abend des 5. Juni 2020 auf dem Real-Parkplatz kräftig gezecht hatte.

Aus Gruppenzwang habe er halt mitgemacht, erinnerte sich der 13-Jährige vor Gericht. "Es war eine saublöde Idee", so der Zeuge sichtlich zerknirscht. Viel mehr Erinnerungen hatte er nicht. Er sprach von einem Blackout, räumte aber auch ein, dass ihm der Alkohol, zwei Flaschen Hugo und ein selbst gemixtes Getränk in einer 0,5-Liter-Flasche, nicht etwa eingeflößt worden sei. Immerhin habe er zwei bis drei Tage stationär in der Kinderklinik verbringen müssen.

Als er den Zustand seines Sohne gesehen habe, sei er sofort aufs Fahrrad gestiegen und habe den Schuldigen gesucht und gefunden, so der Angeklagte. "Er war verbal nicht der freundlichste - und ich war auch auf 10 000", sagte der Mann. Natürlich sei er da laut geworden. Der "Übeltäter" habe mehrfach versucht, abzuhauen, nachdem er die Polizei verständigt hatte.

Einer der Polizisten, die damals vor Ort waren, sagte über den Übeltäter jetzt aus: "Der steht bei uns dauerhaft auf der Matte." Alle auf der Dienststelle würden ihn kennen. Trotzdem sei eine Anzeige wegen des angeblichen Einflößens von Alkohol damals eingestellt worden, weil es dafür keine Beweise gegeben habe. Der Bekannte, der eigentlich der Hauptzeuge in Verfahrens gewesen wäre, hatte sich entschuldigt, weil er sich angeblich wegen Corona in Quarantäne befinde.

600 Euro für den Kinderschutzbund

Am Ende zeigte das Gericht Verständnis für das Verhalten des Vaters und stellte das Verfahren mit Zustimmung von Staatsanwaltschaft und Verteidiger Ralph Pittroff gegen eine Geldauflage von 600 Euro zugunsten des Kinderschutzbundes ein. Eine gewisse Mitschuld des Bekannten an der Alkoholintoxikation des Sohnes sei nicht auszuschließen, der Angeklagte habe einfach überreagiert, als ihm der elende Zustand seines Sohnes bewusst geworden sei, so die Richterin Sieglinde Tettmann. An der Strafbarkeit der Drohungen und Beleidigungen führe dennoch kein Weg vorbei.