Chronisch defizitär, aber unverzichtbar: Die Musikschule in Strullendorf gilt als soziales Juwel mit hohem Kostenfaktor. Was die Traditions-institution nicht selbst erwirtschaftet, bezahlt die Gemeinde - und dieser Betrag steigt konstant. Um zumindest einen kleinen Teil auf die Musikschulnutzer umzulegen, hat der Gemeinderat nach sieben Jahren konstanter Unterrichtspreise eine Gebührenerhöhung genehmigt. Bei aller Liebe zur musikalischen Ausbildung soll auch der kommunale Anteil nicht ins Uferlose steigen.
Ein guter Instrumental-Lehrer wird nach den Tarifen des Öffentlichen Dienstes bezahlt: Obwohl im Vorfeld variable Spenden und Fördermittel abgezogen werden, treibt vor allem die Vergütung der ausgebildeten Lehrkräfte die jährlichen Ausgaben der Musikschule Strullendorf stetig nach oben. Schulleiter Michael Saffer beziffert den reinen Anstieg der Personalkosten pro Jahr in einer Größenordnung von 5000 bis 10 000 Euro. Mit der vorgesehenen Gebührenerhöhung ab dem Schuljahr 2017/18 offeriert er seine Unterstützung in puncto Kostenbewältigung und liefert Vorschläge: 49 statt 44 Euro für dreißig Minuten Einzelunterricht, 66 statt 59 Euro für 45 Minuten Einzelunterricht, 18 statt 15 Euro für die Bläserklasse und sieben statt vier Euro für den Chor. Der Anstieg liegt zwischen 10 und 75 Prozent, befindet sich immer noch unter den Tarifen der Kreismusikschule und beschert der Musikschule bei gleichbleibender Anzahl von circa 320 Schülern jährlich 16 000 Euro mehr, um das wachsende Minus zu mindern.


Angemessen?

Zu viel oder zu wenig? Weil sich der Betrag im Verhältnis zum 2016/17-Defizit von 234 000 Euro immer noch bescheiden ausmacht, drehte sich die Diskussion im Plenum vor allem um die Angemessenheit der neuen Einzelpreise und um eine generelle Strategie für die Musikschule, die selbst aber niemals infrage gestellt wird.
Der Gemeinderat beurteilt die neuen Unterrichtspreise zwischen "Darf ruhig mehr sein: Was nichts kostet, ist nichts wert" (Alexander Pfister, Bürgerblock) und "Nicht zu viel nach oben, wir dürfen keine Eltern vergraulen" (Werner Haas, Bürgerblock) und definiert am Ende die geplanten Erhöhungen als Kompromiss. Fazit? Christian Beickert (SPD) will die Musikschule "auch defizitär durchziehen. Wir haben eine sozialpolitische Verantwortung Kinder von der Straße und zur Musik zu holen." Als "tolles Alleinstellungsmerkmal für Strullendorf" definiert auch Philipp Spörlein (CSU) das Prestige-Projekt und plädiert wie auch Andreas Kehl (Neue Liste) für einen weiterhin sensiblen Umgang mit den Gebühren. Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) fordert innerhalb der Musikschule trotzdem Strukturveränderungen zur Kostenreduzierung und appelliert nebenbei an den Gemeinderat, massiv für den Förderverein zu werben.
Auf den Appell von Andreas Kehl, "die Kosten der Musikschule auch intern im Rahmen zu halten", verspricht der Schulleiter kritische Prüfung.
Als Vollblutmusiker und engagierter Musiklehrer fühlt sich Michael Saffer aber gleichermaßen der Qualität des Dauerprojektes und dem "sozialen Herz" seines Vorgängers Karl Berberich verpflichtet: "Schließlich ist das ein Prinzip, das die Musikschule überhaupt so weit gebracht hat."