Es ist der 23. Januar 2018, kurz nach zwölf Uhr. Ein 50-jähriger Schichtarbeiter aus dem Landkreis Schweinfurt fährt mit seinem Auto durch die Roßbrunnstraße und landet in einer Polizeikontrolle. 30 Kilometer pro Stunde sind erlaubt, mit mehr als 50 Sachen ist er unterwegs. Während er sein Verwarnungsgeld zahlt, bemerken die Polizisten "drogentypische Auffälligkeiten". Laut Anklageschrift soll der Mann Cannabis und Tramadol konsumiert haben. Ihm soll Blut abgenommen werden, er setzt sich aber ins Auto. Einer der Beamten öffnet die Fahrertür und stellt sich in die Öffnung. Der Fahrer schließt die Tür, so dass der Polizist ausweichen muss. Der zweite Beamte stellt sich vor das Auto. Der 50-Jährige gibt Gas, fährt mit durchdrehenden Reifen auf den Polizisten zu, der sich nur durch eine Sprung zur Seite retten kann. Er missachtet Vorfahrtsregeln, fährt zu schnell, weicht auf die entgegengesetzte Spur aus. Auf der Luitpoldstraße rast er über eine rote Ampel. In allen Fällen müssen andere Autofahrer stark bremsen. Mit etwa 100 Stundenkilometern fährt er Richtung Hauptbahnhof und schließlich auf die Autobahn 70.

Polizei wartet schon

Eine gute Stunde später taucht der Angeklagte zu Fuß an seinem Haus auf. Zwei Polizisten sind bereits da, der Mann rennt davon. Die Polizisten verfolgen ihn, drücken ihn auf den Boden. Gegen das Fesseln wehrt er sich, so die Anklage. Vor Gericht muss er sich wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Verkehrsgefährdung, versuchter gefährlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Der Angeklagte gesteht die Vorwürfe, so weit er sich erinnern kann. Aus Angst, dass die Polizisten ihn einsperren, sei er davongefahren. Danach wisse er nichts mehr. Heute sei er froh, dass er niemanden verletzt habe. Nach der Fahrt über die Autobahn habe er sein Auto versteckt. Dass er sich bei der Festnahme gewehrt habe, bestreitet der Angeklagte. "Ich habe mich ergeben", sagt er.

Gefährliche Situationen

Die Polizeizeugen sprechen von gefährlichen Situationen vor und während der Fahrt. "Wenn ich nicht rechtzeitig zwei, drei Schritte zur Seite gemacht hätte, hätte er mich erwischt", sagt der Polizist, der sich vor das Auto gestellt hatte. Es sei ein "großer Zufall" und "Glück" gewesen, dass kein Unfall passiert sei, so die Beamten. Eine Zeugin sagt der Angeklagte sei von hinten auf sie zugefahren ohne zu bremsen: "Ich dachte, entweder, der fährt mir hinten drauf oder über die Verkehrsinsel in den Gegenverkehr". Laut Gutachten hatte der Angeklagte vor der Fahrt Cannabis und Tramadol konsumiert. Sein Vorstrafenregister enthält eine Rezeptfälschung, sein Fahreignungsregister vier Geschwindigkeitsüberschreitungen und einen Abstandsverstoß, wofür er Geldstrafen und Punkte in Flensburg bekam. Das Fahrverhalten des Angeklagten sei "höchst gefährlich" gewesen, so der Staatsanwalt. Er forderte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt und Drogenabstinenz, ein einmonatiges Fahrverbot und eine Sperrfrist für den Führerschein von drei Monaten.

Der Richter attestiert dem Angeklagten, dass er "unzählige Menschen gefährdet" habe. Zu Gunsten des Angeklagten führt er dessen Offenheit an. Er verurteilt den Mann zu acht Monaten Freiheitsstrafe, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist und der Aufsicht durch einen Bewährungshelfer.

Dazu kommen ein einjähriges Verbot des Drogenkonsums sowie der Entzug des Führerscheins mit einer Sperrfrist von sechs Monaten. Zudem darf der Angeklagte einen Monat lang kein Kraftfahrzeug führen, muss eine Geldauflage von 1500 Euro zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig. lwa