8 60 000 Menschen in Deutschland haben kein Dach über dem Kopf. Obwohl wir in einem der reichsten Länder der Welt leben, muss ein Prozent der deutschen Bevölkerung unter zugigen Brücken, in kalten Fußgängerpassagen oder in maroden Abwasserrohren schlafen. Auf der einen Seite gehen in Städten wie München, Hamburg und Würzburg die Mieten durch die Decken, auf der anderen Seite gibt es 2017 im Vergleich zu 2014 allein in München circa 100 Prozent mehr Obdachlose. Das ist beschämend und traurig und sagt viel aus über unsere so oft gepriesene humane und christliche Gesellschaft hier in Deutschland.
In diesen Wochen feiern wir in der katholischen Kirche drei Heilige, die viele Menschen kennen und verehren. Zum einen Martin, der dem Bettler geholfen hat, dann Elisabeth, die die Armen ihrer Stadt versorgt hat, und zuletzt Nikolaus, den Bischof, der in Myra für Arme und Schwache da war. Aber unser Gedenken erschöpft sich oft nur in verbrämter Erinnerung. Dabei sollten wir uns dem Anspruch dieser Heiligen stellen, der lautet: Wenn ich mein Christsein wirklich ernsthaft lebe, muss ich mein Herz den Armen und Schwachen
öffnen.
St. Martin lädt uns nicht nur zu gefühligen Lichtfeiern ein, Elisabeths Korb ist außer mit Rosen vor allem mit Hilfe für Arme gefüllt und bei Nikolaus geht's nicht allein um Schokolade, sondern um Achtsamkeit und Solidarität. Was die drei Heiligen wohl machen würden, wenn sie von den vielen Obdachlosen bei uns erfahren würden?
Ich bin sicher, sie würden versuchen, die Situation zu verändern, und uns durch ihr Handeln einen Spiegel vorhalten. Und ich glaube nicht, dass uns das, was wir sehen, gefallen würde.
Vielleicht sollten wir den gesellschaftlich Verantwortlichen und ebenso uns selbst klarmachen, dass unsere Gesellschaft kein Selbstbedienungsladen ist, bei dem halt die Schwachen durchs Raster fallen und sich ihrer Not überlassen sind, sondern dass wir unser Zusammenleben solidarisch und gerecht ausrichten und gerade die Schwachen stärken. Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie demnächst Ihren Schoko-Nikolaus genießen!

(Günter Schmitt, Dekanatsreferent im katholischen Dekanat Haßberge)