Betrifft: "Kalt erwischt" vom 19.10.2016, Themen des Tages "Das Thema":

Zum Artikel hier einmal die Fakten: Das Flammschutzmittel HBCD, welches bei Möbel, Textilien etc. und auch bei Polystyrol Verwendung fand, wurde verboten, weil es sich schwer in der Natur abbaut. Damit beim Entsorgen von Produkten, welche HBCD beinhalten, dieses nicht freigesetzt wird, sollen diese gesondert in zugelassenen Müllverbrennungsanlagen entsorgt werden.
Bei den meisten Produkten ist allerdings nur schwer nachzuweisen, ob diese nun HBCD-haltig sind oder nicht. Polystyrol-Dämmung wurde bis 2014 mit 0,7 Prozent HBCD produziert, das ist wahr. Dabei sollte man aber berücksichtigen, dass eine Gebäudedämmung für 50 Jahre und mehr angebracht wird und nebenbei in dieser Zeit viel Energie einspart.
Die wichtigste Tatsache bei diesem Thema ist aber, dass mittlerweile nahezu alle Müllverbrennungsanlagen HBCD-haltige Kunststoffe verbrennen können, ohne dass HBCD freigesetzt wird. Wo ist also das Problem? Gerade bei der im Bericht so gescholtenen Dämmung stellt sich die Frage der Entsorgung sogar erst in vielen Jahrzehnten. Das Fraunhofer-Institut entwickelt bereits Recyclingverfahren, um den Wertstoff dann wieder ökologisch sinnvoll einsetzen zu können.
Dass der Bericht so undifferenziert, falsch und polemisch ist, braucht einen nicht zu wundern, wenn man die mehrfach erwähnte Wissensquelle, den Dämmgegner Konrad Fischer, einmal im Internet recherchiert. Auf dessen Internetseite werden die Verschwörungstheorien über eine Dämmstofflobby, welche den Klimawandel erfunden hat, nur um noch mehr Geld zu scheffeln, genauso gesponnen, wie Politiker als Volksverräter beschimpft werden. Das Ganze kommt von der Rhetorik wie eine Art Anti-Dämm-Pegida rüber. Zum Beispiel wird von "erheblichen Mehrkosten für Hausbesitzer, die renovieren wollen", geschrieben. Richtigerweise müsste es aber heißen: "...welche die Gebäudedämmung abreißen wollen und entsorgen wollen." Wer macht das aber schon? Und die Kosten für die Entsorgung der Dämmung eines ganzen Passivhauses betragen auch nur ca. 250 Euro. Also alles nur Polemik.
Wenn Hausbesitzer und Bauherrn durch blödsinnige Verschwörungstheorien und Unwahrheiten verunsichert werden und so sinnvolle Gebäudedämmung für Klimaschutz und Energieeinsparung blockiert wird, ist das wirklich unverantwortlich und der Artikel "Sondermüll".
Wolfgang Weller
Bad Brückenau