Erlangen-Höchstadt — Auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt haben Firmen Home Office eingeführt, doch längst funktioniert das nicht in allen Betrieben. Viele Handwerker müssen trotz der Ansteckungsgefahr auf Baustellen arbeiten, müssen mit Kollegen in Kontakt bleiben.

Schreiner Jürgen Dietsch aus Pretzdorf hat da noch Glück, denn meist kommt auf Baustellen, wenn die anderen Handwerker schon weg sind. Normalerweise stattet Dietsch seinen Kunden Hausbesuche ab, nimmt Maß und bespricht das Vorhaben vor Ort.

Doch aktuell ist das anders. Er fragt seine Kunden lieber zweimal, ob er wirklich kommen solle. "Viele wollen, dass wir trotzdem kommen", erklärt Dietsch. Es gebe Menschen, die noch immer leichtfertig handeln - und das nicht nur in der jungen Generation. Die Auftragslage sei gut. Jürgen Dietsch und seine vier Mitarbeiter in der Werkstatt haben tun.

Drei von vier betroffen

Das ist auch so bei Rainer Haberkamm aus Lonnerstadt und seinen Handwerkern. Sie verlegen Bodenbeläge und haben noch keine Umsatzeinbußen. "Manche Kunden haben es schon von sich aus verschoben", erklärt Haberkamm. Laut einer aktuellen Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) unter 5000 Betrieben gaben 77 Prozent der Handwerker an, Umsatzrückgänge zu verzeichnen. 55 Prozent gaben an, dass Aufträge storniert worden seien.

Haberkamm versucht unterdessen, mit anderen Firmen auf der Baustelle möglichst wenig Kontakt zu haben; auch die eigenen Mitarbeiter fahren mit getrennten Autos zu den Kunden. "Wir teilen die Arbeit so weit es möglich ist", sagt der Unternehmer. Wenn sie zu Kunden ins Haus gehen, achten die Handwerker darauf, dass niemand daheim ist.

Haberkamm versucht, die geltenden Vorschriften einzuhalten, wenngleich "das manchmal schwierig ist". Spezielle Tipps habe er von der Handwerkskammer aber nicht bekommen.

Auf die wartet auch Schreiner Jürgen Dietsch: "Da ist noch gar nichts gekommen." Natürlich versucht aber auch er, die Vorschriften zu beachten.

Hilfe über Hotlines

"Wir tun alles, um Sie zu unterstützen", verspricht Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, in einer Videobotschaft. Deshalb habe die Handwerkskammer zwei Telefon-Hotlines eingerichtete, an die sich Handwerker aus Mittelfranken bei Fragen rund um die Coronakrise wenden können.

Derzeit hat Schreiner Dietsch noch viel zu tun: "Im Moment wird noch viel gebaut."

Das seien aber vor allem ältere Aufträge. "Weil die Menschen weniger Geld haben", so vermutet Dietsch, "wird später auch weniger gebaut." Der ein oder andere werde sich schon überlegen, ob er ein Haus baue, spekuliert Dietsch. Und das hätte dann massive Auswirkungen auf die Handwerker.