Die Zeiten, da schizophrene Psychosen mit Dämonen-Besessenheit begründet und Betroffene unmenschliche Ausgrenzung erfuhren, sind zum Glück passé. In seiner nunmehr 20. Auflage beleuchtet das Psychiatrie-Symposium in Kutzenberg diesmal die historische Perspektive, indem es die Erkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen im Wandel der Zeit aufzeigt.

Im Vorabgespräch mit Nedal Al-Khatib, seit August 2018 neuer Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirksklinikum Obermain, spiegelt sich die Komplexität der modernen Herangehensweise in Diagnose und Therapie wider. Namhafte Referenten, die beispielsweise sogar aus Kassel oder Pfaffenhofen anreisen werden, beleuchten mit Vorträgen im Festsaal die Entwicklung über die Jahrzehnte und Jahrhunderte. Die aus heutiger Sicht unglaubliche Stigmatisierung psychischer Erkrankungen in früherer Zeit liegt unter anderem begründet in historischen Konzepten, die auf falschen Vorstellungen und Deutungen beruhten. Die Referate bilden dies ab, aber genauso und vor allem den erheblichen medizinisch-therapeutischen Fortschritt, beginnend mit der analytisch-tiefenpsychologischen "Redekur" Freuds bis zur modernen Verhaltensforschung und -therapie.

"Die gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Erkrankungen hat in den vergangenen 20 Jahren schon stark zugenommen, das Thema ist zum Glück in der Mitte der Gesellschaft angekommen", so die positive Einschätzung von Chefarzt Al-Khatib. Immer öfter stünden Betroffene zu ihrer Erkrankung. Von "Burnout" war früher noch keine Rede.

Aber psychische Erkrankungen gab es auch schon anno dazumal. "Nur konnte man es früher nicht richtig einordnen", so Al-Khatib. dell