Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen - und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein..."
Haben Sie es auch noch im Ohr, dieses eingängige Lied von Reinhard Mey, das so deutlich unsere Sehnsucht beschreibt, mal einen Blick in den Himmel tun zu können?
Wir haben Glück: Genau dazu ist jetzt Gelegenheit an dem eigenartigen Feiertag, der den Namen "Himmelfahrt" trägt. Christen wagen an diesem Tag den Blick in den Himmel. Nicht, um kritisch die Wetterentwicklung zu beobachten, sondern um zu erfahren, wo sie mit Gottes Gegenwart rechnen können. Beim ersten Himmelfahrt wird das - nach dem Zeugnis der Bibel - den ersten Jüngern von Jesus so gesagt: "Ihr könnt mit mir rechnen durch die Kraft des Heiligen Geistes." Und als er verschwunden ist, bekommen die Jünger zu hören: "Warum schaut ihr gen Himmel? Geht das an, was euch vor Augen liegt. Da ist mit seinem Geist zu rechnen, mit seiner Kraft."
Der Feiertag erinnert daran: Hinterm Horizont geht es weiter - und deshalb können wir getrost die Aufgaben angehen, die das Leben uns jetzt stellt. Angst vor der Zukunft, in der Welt genauso wie in der Kirche, weil Jesus nicht mehr zu sehen ist, nicht mehr leibhaftig unter uns wandelt, vermeintlich an Bedeutung verliert? Nein, die brauchen wir nicht zu haben, denn "Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2.Tim.1,7)" Und dieser Geist wird wirklich gebraucht in dieser Welt, landauf und landab. Diesen Geist bringen Christen ein: Ein tatkräftiger Geist ist es, der Grenzen überwindet und Spannungen aushält, der aber getragen ist von einem Glauben, der durch den Horizont zu schauen vermag.

Gabriele Töpfer ist Pfarrerin in Dörfles-Esbach und Seelsorgerin im SAPV-Team Coburg.