von unserem Mitarbeiter Horst Wunner

Neudrossenfeld — Er kann Steine sprechen lassen, haucht ihnen Leben ein. Weil er in einer steinreichen Gegend aufgewachsen ist und dort immer noch wohnt. Udo Rödel aus Müncherg, langjähriger Kunsterzieher und Dozent am Staatsinstitut in Bayreuth, Skulpturenformer und Maler, gibt im Eishaus des Bräuwercks Einblicke in sein Schaffen. Und überall mit ungewohnten Ansichten und Einsichten.
Da ist das "Steingespräch" ein Blickfang, eine Sitzgruppe aus Reinersreuther Granit (Fichtelgebirge) und Stahl, der Glimmer glitzert und man bekommt Lust, sich rein zu setzen und dem ältesten Mineral der Welt ganz nah zu sein.
"Jeder Stein hat seine eigene Landschaft, die Bearbeitung fasziniert mich, ich verinnerliche den Umgang mit Jahrmillionen", so Rödels Philosophie. Nebenan steht das "Paar", ebenfalls aus Granit und Stahl, Schlichtheit exzellent ausgedrückt. Und die "Steinkronen" und "steinerhaben" vermitteln Schönheit, Kraft und stetes Überleben. Zwischendurch arbeitet er auch mit Glas und Lindenholz, sein gewachsenes Gespür für Natur ist fast greifbar.
Udo Rödel macht aber auch im Eishaus mit 15 Gemälden - "Apokalyse 2015" tituliert - auf sich aufmerksam. Die Bilder, berbeitete und collagierte Nitrofrottage, gehen unter die Haut, stimmen nachdenklich und traurig. "Das Leben derzeit ist weltweit von grauenvollen Geschichten geprägt, die Dummheit verursacht das Grauen. Ich will davon bildlich erzählen", sagt Udo Rödel. Brennende Flüchtlingsheime, der einsame Flüchtlingsjunge im vergitterten Getho, der Mensch als undefinierbares Monster, der Künstler vermag Unzulänglichkeit in harter Realität wiederzugeben.


Künstlerische Vielfalt

Im Untergeschoss des Eishauses, im Eiskeller, kann man sich anschließend die künstlerische Vielfalt des gebürtigen Marktleugasters anschauen, Glasröhren im Stahlkreuz und 19 Zeichnungen in Mischtechnik auf Papier und im Stahlrahmen.
Rödels Vita widerspiegelte Laudatorin Gerti Baumgärtel bei der Vernissage, "focus-europa"-VorsitzenderLutz Benno Kracke nannte ihn für seine Künstlergruppe unverzichtbar. "Er ist mit eine wichtige Kraft für unsere Ausstellungen in der Region und im europäischen Ausland". Dass "focus-europa" den Namen Neudrossenfeld weit hinausträgt, freute besonders Bürgermeister Harald Hübner: "Wir sind nicht nur anerkanntes Europadorf mit unseren Europatagen, sondern haben dank dieser Künstlergemeinschaft auch einen guten Namen vom Balkan bis in die nordischen Länder und Italien.