Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, das sich da vor unseren Augen abspielt: Brütende Turmfalken, frisch geschlüpfte Küken, die ihren ersten Ausflug herbeisehnen - eine Kinderstube der ganz besonderen Art. Im Internet (unter artenschutz-steigerwald.de) lässt sich das gefiederte Stelldichein im Dachgebälk der Altenburg verfolgen: Die im Nistkasten installierte Webcam bringt das Familienleben der Turmfalken quasi ins heimische Wohnzimmer.

Das Projekt "Turmfalken auf der Altenburg" ist ein voller Erfolg geworden, verrät der Ehrenvorsitzende des Altenburgvereins, Edgar Sitzmann. Jährlich seien es über 100 000 User, die die Webcam anklicken und die Vögel beobachten. Bis dahin freilich war ein langer Weg.

Im Jahr 2010 startete der Altenburgverein auf Initiative der Aktion "Artenschutz im Steigerwald" ein Artenschutzprogramm auf der Festung. Nistkästen und Nisthilfen für Mauersegler, Fledermäuse, Dohlen und eben für Turmfalken wurden auf dem Bergfried geschaffen. "Diese schnellen Raubvögel nisteten schon öfters auf der Altenburg im Dachgebälk der Amalienklause. Nun aber sollten sie eine dauerhafte und einsehbare Niststätte bekommen", erinnert sich der frühere Vereinsvorsitzende. Eine Webcam sollte die Beobachtung der Aufzucht der jungen Turmfalken von der Kinderstube über das Wachsen des Federkleides bis zum Ausflug und Verlassen des Nistkastens ermöglichen.

Es dauerte jedoch bis zum Frühjahr 2014, bis sich im Brutkasten etwas rührte. Endlich bezog ihn ein Falkenpaar und richtete ein kärgliches Nest ein. Bald lagen fünf Eier im Nest, ausgebrütet wurden davon vier, eines war nicht befruchtet. Vier Jungvögel flogen schließlich aus. In den folgenden Jahren stabilisierte sich diese Zahl. Heuer war unter den sieben geschlüpften Jungvögeln ein sehr kleines, im Wachstum zurückgebliebenes Exemplar, das nicht überlebte. Die größeren Falken warfen es später aus dem Kasten. Sechs Jungvögel haben dann vom 18. Juni an das Fliegen erprobt und waren nach wenigen Tagen ausgeflogen.

In den sieben Jahren des Bestehens des Nistkastens auf der Altenburg hat das Turmfalkenpaar 30 flugfähige Jungfalken aufgezogen und so zur Erweiterung des Turmfalkenbestandes beigetragen. "Die Beobachtung über die Webkamera ist äußerst interessant und lässt das Füttern, das Wärmen und vor allem das Wachstum der Vögel miterleben", freut sich Sitzmann.

"Die heuer hohe Zahl der Eier, die auch befruchtet und erbrütet worden sind, ist sicherlich außergewöhnlich. Ich hatte große Bedenken, ob es dem Falkenpaar gelingen würde, so viele Jungtiere mit Futter zu versorgen. Da ist der Ausfall eines Jungvogels schon sehr gering. Falken nisten sehr gerne auf hohen Gebäuden, da sie von dort mit den ,Adleraugen' futterreiches Gelände erspähen und dort dann auch jagen können. Die Wanderfalken ziehen freilich noch höhere Brutstätten vor, etwa den Erba-Turm. Sie schlagen ihre Beute, meist Tauben, auch im Flug", berichtet der Ehrenvorsitzende. Die natürlichen Gegebenheiten vor allem am Westhang des Altenburgberges mit seinem Bestand an Altbäumen seien gerade für die Falken besonders geeignet. Hier fänden die Raubvögel genügend Futter, nicht zuletzt Mäuse, wie ein (Kamera-)Blick in den Nistkasten gezeigt habe.

Übrigens kann auch in der Durchfahrt des Torhauses auf der Altenburg ein Nistkasten mithilfe eines Monitors beobachtet werden. red