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Kloster Banz

Turbulente Abtswahl im Kloster Banz

Vor 300 Jahren wurde ein Nachfolger für Prälat Kilian Düring gesucht. Das lief nicht ohne ordentlich Aufregung ab .
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Ein Porträt von Benedikt Lurz (1674-1731) als Abt von Banz Foto: Günter Dippold (Repro)
Ein Porträt von Benedikt Lurz (1674-1731) als Abt von Banz Foto: Günter Dippold (Repro)

Der 12. März 1720 war ein turbulenter Tag im Benediktinerkloster Banz. Seit über fünf Wochen war das Kloster ohne Abt, denn am 6. Februar war der alte Prälat Kilian Düring gestorben. Er hatte dem Kloster 19 Jahre lang vorgestanden und hatte den barocken Neubau des Klosters energisch vorangetrieben.

Erst im Oktober 1719 war die von Johann Dientzenhofer geplante neue Klosterkirche eingeweiht worden. In dieser neuen Kirche nun, der noch die meisten Altäre fehlten, versammelten sich am 12. März 1720 die 20 Mönche des Klosters, um einen neuen Abt zu wählen. Es brauchte mehrere Wahlgänge, bis ein Kandidat eine knappe Stimmenmehrheit auf sich vereinte: Pater Benedikt Lurz aus Seßlach.

Heftige Auseinandersetzungen

Doch aufregend war dieser Tag weniger wegen des eigentlichen Wahlvorgangs. Denn Banz war ein Zankapfel zwischen den Fürstbischöfen von Bamberg und von Würzburg. Geistlicher Herr war der Würzburger Bischof, denn bis ins 19. Jahrhundert reichte die Diözese Würzburg bis an den Main. Weltlicher Herr des Klosters war der Bamberger Bischof, denn die Klostergründer hatten die von ihnen gestiftete Benediktinerabtei der Bamberger Kirche übertragen. Zumal im 16. Jahrhundert entspannen sich heftige Auseinandersetzungen, wer der Landesherr über Banz sei. Neben Bamberg und Würzburg erhob zeitweilig auch noch der Herzog von Sachsen Ansprüche.

Erst 1685 schlossen die beiden Bischöfe einen Vertrag, der die beiderseitigen Rechte über Banz abgrenzte. An sich war fortan die Rechtslage klar - im Großen und Ganzen jedenfalls. Doch wenn eine Abtswahl stattfand, dann brachen die alten Kontroversen neu auf. Sie entzündeten sich vielmehr an Kleinigkeiten. Peinlich genau achteten alle Beteiligten - das Kloster, Bamberg und Würzburg - darauf, dass die eigenen Rechte nicht im Geringsten beeinträchtigt würden. Jede Seite bemühte sich, ihre Kompetenzen, und sei es im kleinsten Detail, auszuweiten.

Als der alte Abt gestorben war, ließen der Prior als nunmehr oberster Repräsentant des Klosters und der Syndikus als der höchste weltliche Beamte des Klosters die Klostertore zusperren und bewachen. Sie schickten Briefe nach Bamberg und nach Würzburg, um den Tod des Abtes anzuzeigen. Alsbald erschien der Pfarrer von Altenbanz, sprach spürbar ungerührt sein Beileid aus und beanspruchte als würzburgischer Vertreter Besitz vom Kloster zu nehmen, jedenfalls was das Geistliche anging. Ihn quartierte man im Konventsgebäude ein, dort, wo sich die Mönchszellen befanden. Wenige Stunden später kam der Vogt von Lichtenfels, begleitet von 15 bewaffneten Bürgern der Stadt, als Repräsentant des Bamberger Fürstbischofs. Der Beamte nahm Besitz vom Kloster, was das Weltliche anging, und wurde im Abteibau untergebracht. Neben ihm blieben sechs Lichtenfelser im Kloster zurück.

Am Abend des Tages schließlich traf noch der Pfarrer von Seßlach in Banz ein, der durch seine Spitalstiftung bis heute bekannte, aus Siegen stammende Herrmann Flender. Förmlich von Würzburg beauftragt, wollte er tun, was sein Altenbanzer Amtsbruder schon vorweggenommen hatte: nämlich die würzburgischen Ansprüche aufs Kloster behaupten. Der damalige Konventsbau war eng. Man brachte Flender dort nicht unter. Also wies man ihm ein Zimmer im Abteibau an, gleich neben dem Lichtenfelser Vogt. Dieser protestierte sogleich, denn der Abteibau repräsentierte gleichsam die weltliche Herrschaft des Klosters, der Konventsbau die geistliche. Fürs Weltliche aber war Bamberg zuständig, der würzburgische Pfarrer von Seßlach hatte da nichts zu suchen.

Handgreiflichkeit

Einander eifersüchtig belauernd, blieben würzburgische und bambergische Vertreter über Wochen im Kloster. Als der Wahltag heranrückte, lösten hochrangige Repräsentanten sie ab: aus Bamberg kam ein Domherr mit Gefolge, dazu noch der Vizekanzler. Aus Würzburg reiste ebenfalls ein Domherr mit Begleitpersonen an, und neben ihm erschienen der Regens des dortigen Priesterseminars und der Schreiber des geistlichen Rats. Kaum tat die eine Seite etwas, protestierte die andere dagegen. Schließlich kam es sogar zu einer Handgreiflichkeit: Die Bamberger beanspruchten das Fürstenzimmer für sich allein, der Würzburger Schreiber widersprach feierlich. Und er demonstrierte das würzburgische Recht, indem er einfach im umstrittenen Zimmer blieb - bis ihn der Bamberger Vizekanzler durch einen Soldaten hinauswerfen ließ. Nach der ohnehin langwierigen Wahl folgten kirchliche Zeremonien. Der Neugewählte warf sich vor dem Hauptaltar nieder, die Mönche sangen das Te Deum (Großer Gott, wir loben Dich), und die Würzburger Vertreter brachten den Abt zu seinem Stuhl im Mönchschor. Dann aber begingen die Würzburger einen Affront gegen Bamberg. Das Kloster war damals noch ein Gewirr aus alten und neuen Bauteilen, und so konnten sie den Neugewählten auf einem unbewachten Weg zur Abtei führen. Aber den Abt in die Abtei zu geleiten und damit in seine weltliche Herrschaft einzuweisen, war die Sache Bambergs. An der Tür konnten die Bamberger den Zug des Abts und der Mönche gerade noch abfangen. Sie protestierten feierlich und jagten Abt und Mönche die Treppe wieder hinunter, damit ja kein Präzedenzfall entstehe. Erst im zweiten Anlauf, als der neue Prälat mit den Klosterbrüdern und ohne die Würzburger Vertreter eine Treppe hinaufgestiegen kam, nahmen ihn die Bamberger freundlich auf, gratulierten artig und wiesen ihn in seine Amtsräume ein. Der ganze Vorgang endete einträchtig mit einem Festmahl. Die Bamberger und die Würzburger Abgesandten nahmen üppige Trinkgelder entgegen. Allein Gebühren und Trinkgelder verschlangen insgesamt 3500 Gulden. Dies war mehr, als ein dreigeschossiger Trakt des Klostergebäudes, errichtet aus großen Sandsteinquadern, gekostet hatte. Endlich reisten die Gäste ab. Im Kloster kehrte wieder Ruhe ein, und gewiss wünschte man in Banz dem Abt eine lange Amtszeit, um sich den Ausgaben und den sonstigen Beschwernissen nicht bald wieder ausgesetzt zu sehen. Benedikt Lurz stand bis zu seinem Tod im Januar 1731 an der Spitze des Klosters.